Das Dilemma der US-Notenbank

18. Juni 2014, 07:32
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In den USA ist die Inflation zuletzt wieder angestiegen. Strafft die Fed ihre Geldpolitik zu rasch, könnte sie die Finanzstabilität gefährden

Washington - Die obersten Notenbanker der USA sorgen sich um den Exit - und das in zweierlei Hinsicht. Einerseits geht es um den Pfad der Geldpolitik und den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

Fed-Chefin Janet Yellen wird am Mittwoch Abend nach der Zinssitzung der US-Notenbank wohl bekannt geben, dass die Anleihekäufe wie von Ökonomen erwartet um weitere zehn Milliarden Dollar pro Monat gesenkt werden. Aktuell kauft die Fed pro Monat Staats- und Immobilienpapiere im Wert von 45 Milliarden Dollar, um die Wirtschaft anzukurbeln.

An den Finanzmärkten wird angesichts der Drosselung bereits spekuliert, dass die Fed zudem früher als gedacht die Leitzinsen anheben könnte. Die britische Bank of England hatte diese Woche Investoren damit überrascht, dass sie früher als gedacht die Zinsen anheben könnte, noch in diesem Jahr.

In den USA heizt die Inflationsrate diese Spekulationen an. Die Teuerung ist im Mai auf 2,1 Prozent gestiegen und damit über dem Ziel der US-Notenbank, zeigen jüngste Daten des Arbeitsministeriums. Die Kerninflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Energiepreise) ist auf zwei Prozent gestiegen.

Das ist die höchste Rate seit Februar 2013 und wird wohl den allmählichen Ausstieg der Fed aus der lockeren Geldpolitik beschleunigen. "Das Risiko nimmt zu, dass die ersten Zinserhöhungen noch vor dem Sommer 2015 kommen", sagt Paul Dales, US-Ökonom von Capital Economics in London.

Schwache Konjunktur

Hier stellt sich die Frage, ob - wie zuletzt der Internationale Währungsfonds gewarnt hat - die US-Wirtschaft noch immer auf extrem lockere Geldpolitik angewiesen ist. Die Ökonomen des Fonds haben ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft für 2014 deutlich gesenkt, von 2,8 auf zwei Prozent. Geht es nach dem IWF, werden die USA noch viele Jahre äußerst langsam wachsen. Das dürfte die Arbeitslosigkeit bis 2017 hoch halten. Der IWF warnte in seinem US-Länderbericht, dass die Geldpolitik zu schnell gestrafft werden könnte.

Mautabgabe für Bond-Exit

Dazu sorgt sich gerade die New Yorker Federal Reserve um einen zweiten Exit. Denn die Finanzstabilität könnte unter dem raschen Ausstieg leiden. In den vergangenen Jahren haben Investoren wegen der massiven Geldflut der Notenbanken viel in Anleihenfonds investiert. Rund 9,6 Billionen Dollar alleine an Unternehmensanleihen sind in den USA heute ausstehend, zeigen Daten der Fed. Sollten nun die langfristigen Staatsanleihenzinsen wie im Vorjahr steigen, würde das auch Unternehmenspapiere treffen.

Daher fürchtet die Fed offenbar einen abrupten Ausstieg vieler Investoren aus dem Anleihenmarkt. Künftig könnten daher Gebühren eingehoben werden, wenn US-Anleger aus Anleihenfonds aussteigen wollen, berichtet die "Financial Times". Das Kalkül: Diese Mautabgabe für den Verkauf von Fondsprodukten soll panikhafte Verkäufe und damit eine negative Preisspirale verhindern. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 18.6.2014)

  • Fed-Chefin Janet Yellen ist mit einem Dilemma konfrontiert. Eine straffere Geldpolitik könnte bald konjunkturell Sinn machen, aber die Finanzstabilität gefährden.
    foto: epa/reynolds

    Fed-Chefin Janet Yellen ist mit einem Dilemma konfrontiert. Eine straffere Geldpolitik könnte bald konjunkturell Sinn machen, aber die Finanzstabilität gefährden.

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