In der Pensionslücke verbirgt sich auch ein Gender-Gap

19. Juni 2014, 19:06
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Ein Drittel der Frauen in Österreich glaubt, sich die täglichen Ausgaben nicht leisten zu können

Wien – Es ist ein Thema, das in der Finanzwelt immer wieder auftaucht. Frauen sorgen für sich weniger oft und weniger intensiv vor, als Männer dies tun. Gerade in der laufenden Debatte um das Pensionskonto hat die Wiener Städtische Versicherung sich dieses Thema genauer angesehen und eine Umfrage dazu gemacht.

Demnach zeigt sich, dass Österreichs Frauen mit wenig Zuversicht in Richtung Pension blicken. Weniger als 20 Prozent der befragten 1000 österreichischen Frauen zwischen 18 und 55 Jahren sagen, dass sie "sehr positiv" bzw. "positiv" an die Pension denken. Grund dafür ist klarerweise die zu erwartende geringe Pension im Alter. Im Schnitt wird davon ausgegangen, dass weniger als 50 Prozent des aktuellen Gehalts später als Pension zur Verfügung stehen werden.

Trübe Aussichten

Nicht einmal ein Viertel der Befragten ist der Meinung, mit ihrer zukünftigen Pension den Lebensstandard halten zu können. Immerhin 30 Prozent glauben, damit die Ausgaben des täglichen Lebens bestreiten zu können. Ebenfalls ein Drittel vertritt die Ansicht, sich nicht einmal diese Ausgaben leisten zu können.

Man könnte annehmen, dass mit dem steigenden Bewusstsein über die Pensionslücke auch die Zahl der Vorsorgeverträge kräftig ansteigt. Dem ist aber nicht so, erklärt Judit Havasi, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen: "46 Prozent der Befragten haben noch keine Vorsorge getroffen." Mehr als die Hälfte davon nennt als Grund, sich eine Vorsorge einfach nicht leisten zu können, wie die Daten zeigen. "Das liegt auch daran, dass Österreich ein Land der Teilzeitarbeit ist", sagt Havasi zum STANDARD. Davon sind traditionell vor allem Frauen betroffen. Vier Fünftel der Frauen würden laut Havasi in Teilzeit arbeiten, um sich um die Familie kümmern zu können. Auch Karenzzeiten schlagen sich bei der Berechnung der Pension negativ durch.

"Das durchschnittliche Einkommen von Frauen liegt bei 1500 Euro netto, bei Männern bei 2000 Euro netto", rechnet Havasi vor. Damit sei auch klar, dass Frauen weniger Geld für die Vorsorge bleibt. Die durchschnittliche Frauenpension liege derzeit noch um 45 Prozent unter jener der Männer. Hinzu kommt: "Frauen denken in erster Linie immer noch daran, alle anderen zu versorgen. Das ist auch bei der Vorsorge so – viele Frauen denken auch bei diesem Thema zuletzt an sich", fasst Havasi die Problematik zusammen.

Neue Möglichkeiten

Mit zwei Produkten reagiert die Wiener Städtische nun auf diese Situation. "Woman Plus Familiy" und "Woman Plus Work" heißen die beiden neuen Vorsorgeprodukte. Basis ist jeweils eine private Pensionsvorsorge. Bei der Family-Variante übernimmt die Städtische während einer Baby- oder Familienhospizkarenz die Prämienzahlung. Das Work-Paket beinhaltet eine Prämienbefreiung während einer Arbeitslosigkeit. Ein Prämienerlass im Krankheitsfall ist in beiden Varianten abgedeckt. Bei der Assekurranz wird mit mehreren tausend Abschlüssen für diese Neuerungen gerechnet. Die Produkte sind laut Havasi so konzipiert, dass sie bereits ab einer Prämie von 25 Euro einbezahlt werden können.

Damit, so Havasi, sollen auch Leute, die nur einen kleinen Betrag für die Vorsorge ausgeben können, abgeholt werden. Denn, auch das zeigt die aktuelle Studie, 31 Prozent könnten sich vorstellen, bis zu 50 Euro in eine Vorsorge zu stecken. Ein Drittel wäre bereit, dafür zwischen 51 und 100 Euro monatlich auszugeben.

Jene, die schon eine Vorsorge haben, bleiben dabei sehr traditionell: Die häufigste Vorsorgeform ist demnach die Lebensversicherung mit 36 Prozent, gefolgt von konventionellen Sparformen, die 25 Prozent als ihre Variante für die Vorsorge angeben. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 20.6.2014)

  • "Frauen denken in erster Linie daran, andere zu versorgen. Das ist auch bei der Vorsorge so", sagt Judit Havasi, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen.
    foto: wiener städtische/petra spiola

    "Frauen denken in erster Linie daran, andere zu versorgen. Das ist auch bei der Vorsorge so", sagt Judit Havasi, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen.

  • 25 Prozent der Österreicherinnen glauben, ihren Lebensstandard in der Pension nicht halten zu können.
    foto: dpa/sebastian willnow

    25 Prozent der Österreicherinnen glauben, ihren Lebensstandard in der Pension nicht halten zu können.

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    foto: pgm, wiener städtische
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