Iraks Islamisten gewinnen weiter an Boden

17. Juni 2014, 16:55
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Kurden fordern von Bagdad Anerkennung neuer Grenzen

Bagdad - Im Kampf gegen die irakische Armee haben die Kämpfer der Miliz Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) der Hauptstadt Bagdad weiter angenähert. In der Stadt Bakuba, etwa 60 Kilometer von Bagdad entfernt, lieferten sie sich heftige Kämpfe mit der Armee. Laut eigenen Angaben sollen die radikalen Islamisten dabei erneut rund 100 Soldaten getötet haben. In der Stadt Tal Afar, die Isis schon am Wochenende eingenommen hatte, ließ die Miliz mehrere hundert inhaftierte Gesinnungsgenossen frei. Laut Medienberichten ist einer der wichtigsten Drahtzieher des Aufstands Ex-General Izzat Ibrahim al-Douri, einst Saddam Husseins rechte Hand.

Die Meldungen vom Wochenende, wonach Isis in der Stadt Tikrit ein Massaker an bis zu 1700 gefangene Soldaten verübt haben soll, konnten nicht unabhängig bestätigt werden. Isis selbst hatte dies am Wochenende behauptet und auf sozialen Medien Beweisfotos vorgelegt. Der New York Times sagte eine anonyme Quelle aus Iraks Regierung, dass man die Echtheit der Bilder nicht bezweifle, wohl aber die angegebene Zahl.

Die kurdische Armee, die vergangene Woche nach dem Rückzug des irakischen Militärs die Ölstadt Kirkuk und weitere Gebiete erobert hatte, stelllte der Regierung ein Ultimatum: Sollte diese nicht einem Referendum in den Provinzen Kirkuk, Salah al-Din und Diyala zustimmen, würden die eigenen Truppen diese nicht mehr freiwillig verlassen. Für diese drei Provinzen, die bisher von Bagdad aus verwaltet werden, sind in der irakischen Verfassung Referenden über eine Zugehörigkeit zu den Kurdengebieten vorgesehen - das hat bisher aber nicht stattgefunden. Die Kurden haben seit Montag zudem ein neues Druckmittel: Die Isis-Führung hat ihnen einen Waffenstillstand angeboten, sollten sie die Zusammenarbeit mit Bagdad beenden.

Wegen Kontakten zur Isis sind in Spanien acht Personen festgenommen worden. Sie sollen Kämpfer für die Gruppe angeworben haben. (red) Kolumne Seite 31

(DER STANDARD, 17.6.2014)

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