Ö1-Journale: Sparzwang gefährde Qualität

17. Juni 2014, 15:53
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Redakteurssprecher der ORF-Radioinformation klagen laut "Falter" über Personalnot - "Immer weniger Zeit zum Recherchieren"

Wien - Die Redakteurssprecher der ORF-Radioinformation klagen über Personalnot. Der "Falter" berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass sie die "journalistische Qualität der Informationssendungen in Gefahr" sehen. Die Wiener Stadtzeitung zitiert aus einem internen Mail, das an Radiodirektor Karl Amon ging.

"Immer weniger Zeit zum Recherchieren"

In dem Schreiben heißt es: "Im Ressort Innenpolitik fehlt ein Redakteur, und mangels Nachbesetzung demnächst möglicherweise zwei. Die Innenpolitik hätte dann nur mehr 7 Redakteure plus Ressortleiter und damit seit 2008 ein Drittel der Belegschaft abgebaut. Es bleibt immer weniger Zeit zum Recherchieren, immer weniger Zeit zum Vorbereiten auf Interviews. Wie sollen wir Nationalratssitzungen, Untersuchungs-Ausschüsse, Klausuren besetzen, wie die Zeit für Reportagen und Hintergrundberichte finden?"

Kürzungen beim Dienstreisebudget würden sich wiederum verstärkt auf die Außenpolitik und den Sport auswirken. Dieser habe darüber hinaus kein Sonderbudget für die Fußball-WM, weshalb man nach dem Großereignis in Brasilien keine Dienstreisen mehr machen könne. "Eigentlich muss der Sport den Betrieb ab September einstellen", zitiert der "Falter" aus dem Schreiben. "Ohne ausreichend Personal sieht sich die Radio-Information außerstande, das Angebot in gewohnter Qualität und Quantität aufrechtzuerhalten." Entweder müssten die Abgänge ersetzt oder der Programmumfang reduziert werden. Eine "Reduktion der Qualität" komme für die Redakteurssprecher "nicht infrage".

Amon: Budget höher als 2013

Radiodirektor Karl Amon kalmiert, das Wort "Sparzwang" hält er laut "Falter" für übertrieben. Das Budget sei heuer sogar leicht höher als ein Jahr zuvor. Amon räumt aber ein, dass aktuell bei den Journalen 1,4 Vollzeitäquivalente fehlten.

Der Personalstand sei seit seinem Antritt im Jahr 2010 leicht von 115,7 auf 118,5 Vollzeitäquivalente-Stellen im Vorjahr gestiegen. Dass es 2009 noch 126 Stellen waren, sei wiederum "die Folge der ersten großen Handshakewelle" gewesen. (red, derStandard.at, 17.6.2014, Update: APA, 18.6.2014)

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