VÖZ-Studie: 20 Prozent würden für Online-Inhalte zahlen

17. Juni 2014, 15:26
3 Postings

Umfrage von Dentsu Aegis Network mit 1.500 Teilnehmern - Kaufzeitung geeignete Plattform für politische Information - Zahlungsbereitschaft im Netz nach wie vor ein "diffiziles Thema"

Wien - Printmedien haben nicht ausgedient: So ließe sich das Ergebnis einer Studie des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) betreffend Mediennutzung und Politikinteresse der Österreicher zusammenfassen. "Für die Leser sind Zeitungen ein sehr flexibles Produkt", erklärte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger am Dienstag bei der Präsentation der Daten. Besonders hob er die Bedeutung von Kaufzeitungen hervor.

Gerade im Unterschied zu Gratiszeitungen würde ihnen von den Befragten eine wichtigere politische Informationsfunktion zugeschrieben, wie aus der von Dentsu Aegis Network im Frühjahr durchgeführten Umfrage hervorgeht. Dafür wurden online 1.500 Menschen im Rahmen der jährlichen Consumer Connection Study (CCS) Austria im Auftrag des VÖZ befragt. Fazit: Kaufzeitungen liegen nicht nur hinsichtlich den Eigenschaften "informativ" und "umfassend" vor anderen Mediengattungen, ihnen wird auch eine höhere Kontaktqualität zugeschrieben.

"Print ist nicht gleich Print"

"Kontakt ist nicht gleich Kontakt und Print ist nicht gleich Print", schlussfolgerte auch VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. Das sollte aber nicht nur der Werbewirtschaft zu denken geben, er sieht auch die Politik gefordert. "Medienvielfalt und -pluralität sollte ihr etwas wert sein." Die nun vorliegenden Daten werde man jedenfalls an "Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft herantragen, um die Position von Kaufzeitungen mit solidem Zahlenmaterial deutlich zu machen".

Das politische Interesse wiederum sei zwar "noch" hoch in der Bevölkerung. Aber Kralinger betonte mit Verweis auf die Wahlbeteiligung bei Nationalrats- sowie EU-Wahl, dass es "bereits schwieriger geworden ist, bestimmte Altersgruppen zu aktivieren". In der Umfrage taten sich besonders Männer, Ältere und formal höher Gebildete als politisch interessiert hervor. Ähnlich sieht es hinsichtlich der Bedeutung des Wahlrechts oder dem grundsätzlichen Interesse an Hintergründen zu politischen wie wirtschaftlichen Themen aus.

Informationsgehalt

Vor allem Kaufzeitungen würden aus der Sicht des VÖZ-Präsidenten eine geeignete Plattform darstellen, um "über politische Ereignisse und Vorhaben zu informieren". Ihnen wird von den Befragten der höchste Informationsgehalt (70 Prozent) und die umfassendste Information (61 Prozent) zugeschrieben. Auf den weiteren Rängen folgen das ORF-Fernsehen mit 68 bzw. 56 Prozent sowie Radios generell (66 bzw. 51 Prozent). Das gesprochene Wort kann wiederum bei der Glaubwürdigkeit punkten, wo die Radios mit 57 Prozent den höchsten Wert vor Kaufzeitungen und dem ORF-Fernsehen (jeweils 54 Prozent) erreichten.

Schlechter schnitten in diesen Kategorien Gratiszeitungen sowie Soziale Netzwerke ab, wie Georg Gartlgruber von Dentsu Aegis Network erläuterte. Besonders Bildschirmmedien würden flüchtiger genutzt werden. Um die Qualität der Nutzung möglichst breit abzubilden, seien auch Kriterien wie Tageszeit, Nutzungsmethoden oder Medienfunktion in die Umfrage inkludiert worden. Für die Werbeplanung gelte es zu bedenken, dass Werbung in Kaufzeitungen mit "einer entsprechenden Rezeption wahrgenommen wird".

Jüngere würden eher für Online zahlen

Ein "diffiziles Thema" sei nach wie vor die Zahlungsbereitschaft im Netz, wie Kralinger unterstrich: "Die Bereitschaft steigt, vor allem bei den Jungen, ist aber immer noch ausbaufähig." 20 Prozent der Befragten haben demnach angegeben, für Online-Inhalte auch zahlen zu wollen, "wenn das Angebot stimmt", wie es in der entsprechenden Fragestellung heißt. "Damit könnte aber keine Plattform ein Geschäftsmodell aufbauen", so der VÖZ-Präsident. Hier gibt es auch große Unterschiede hinsichtlich der Altersgruppen: Als "verlorene Generation" bezeichnete Gartlgruber die 30- bis 49-Jährigen, die mit Gratisinhalten im Web aufgewachsen seien. Bei den unter 30-Jährigen wäre die Bereitschaft, online für Medieninhalte Geld auszugeben, hingegen durchaus vorhanden.

Trotz der Entwicklungen bei der Presseförderung, die jüngst um rund zwei Mio. Euro gekürzt worden ist, fühlt sich der VÖZ dennoch von der Politik ernst genommen. "Aber es geht uns wie vielen, was die Unzufriedenheit mit der generellen Entscheidungsfreudigkeit der Politik in diesem Land betrifft", meinte Kralinger. "Wir können in unseren Medien nur die Themen aufzeigen, die Entscheidungen muss die Politik treffen." Man wolle jedenfalls weiter daran arbeiten, um das Bewusstsein für die Anliegen des VÖZ zu schärfen. "Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass uns das gelingen wird." (APA, 17.6.2014)

  • VÖZ-Studie: Mediennutzung und politisches Interesse.

    Download
Share if you care.