Ausverkauft

Kolumne17. Juni 2014, 14:46
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Die Fifa ist wirklich super, sagt die Fifa. Der von Joseph S. Blatter geführte, demokratische, transparente, volksnahe, am Friedensnobelpreis kratzende, selbstkritische, die Korruption schonungslos bekämpfende Weltverband hat nämlich Recht. Bei der täglichen Info-Veranstaltung im Pressezentrum des Maracanã, nach der die Journaille lechzt, wird jedes Mal mitgeteilt: Alles bestens, die Spiele sind großartig, es fallen viele Tore. Der Widerspruch fällt schwer und somit aus.

So nebenbei wird daran erinnert, welche Partien am jeweiligen Tag wann und wo stattfinden, ein Superservice, das spart die intensive Recherche. Die Veranstaltung ist praktisch ausverkauft, wird verlautet. Angeblich oder auch tatsächlich hat sich die Menschheit um die drei Millionen Eintrittskarten, die pro Stück 66 bis 730 Euro kosteten, im Internet geprügelt. Für Einheimische gab es günstigere Pakete, die Fifa schätzt die Nähe zur Realität.

Dass bei manchen Partien viele Plätze in den Stadien leer bleiben, ist eines der Rätsel, das die Fifa vielleicht gar nicht lösen möchte. Karten werden weltweit verlost, viele Gewinner zahlen und lassen sie dann verfallen. Weil die Reise von Tulln nach São Paulo gefährlich ist und halt doch das Budget überschreitet. Auch jenes der Freunde und Verwandten. Die Sponsoren wiederum wollen ihre Kontingente eher erhöht als reduziert wissen. Wer zahlt, schafft an.

Irgendwann werden die Chefs der Großkonzerne alleine im Stadion sitzen, geschützt von einem Polizisten. Vor den Eingängen betteln derweil zig Fans vergeblich um Einlass. Sie würden selbstverständlich bezahlen. Weil der Fußball ja toll ist. Und ausverkauft. (Christian Hackl aus Rio de Janeiro, DER STANDARD, 18.6.2014)

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