Anklage gegen Ex-Hypo-Chefs wegen fauler Kredite

17. Juni 2014, 14:08
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Kulterer, Striedinger und Kircher müssen erneut vor Gericht

Klagenfurt/Zagreb/Rijeka - Den ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Vorständen Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger und Josef Kircher droht erneut Ungemach. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat wieder eine Anklage eingebracht, neben den drei Genannten befindet sich auch der Austro-Kanadier Walter Wolf unter den sieben Angeklagten, wie das Nachrichtenmagazin "News" im Voraus berichtet. Es geht um Untreue.

Angeklagt sind drei Tatkomplexe: Kulterer und Striedinger bewilligten der kroatischen Kapitalgesellschaft Amfora Maris im April 2003 trotz mangelnder Bonität einen Kredit in der Höhe von 4,8 Millionen Euro. Der zweite Fall betrifft die kroatische Gesellschaft Hotel Miramare, die 2006 insgesamt 17,7 Millionen Euro bewilligt erhielt, dieser Punkt betrifft auch Kircher und zwei weitere Angeklagte. Im dritten Komplex geht es um die Zahlung von 240.000 Euro seitens der Bank an Walter Wolf. Für dieses Geld gab es angeblich Scheingeschäfte, außerdem wurde der Umweg über einen Kärntner Industriellen gewählt, der das Geld an Wolf weiterleitete.

Mangelnde Bonität

Die Anklageschrift liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Sowohl bei Amfora Maris, dabei handelte es sich um einen Getränkeabfüller, als auch bei der Hotel Miramare gab es laut Ankläger kaum bzw. überhaupt kein Eigenkapital. Die Getränkefirma war schon einmal pleitegegangen, die bankinterne Prüfung des Kreditantrages ergab eine eindeutige Ablehnung "in Ansehung der nicht besicherten Kreditvaluta". Doch der Geschäftsmann war, so der Staatsanwalt "eng befreundet" mit Striedinger, also wurde der Sachbearbeiter angewiesen, den Kreditantrag vorzubereiten. Der Sachbearbeiter äußerte ebenfalls Bedenken, das Geld floss trotzdem, ungeachtet der mangelnden Bonität und des hohen Insolvenzrisikos.

Geld für Renovierung

Die Hotel Miramare d.o.o. wiederum wollte das gleichnamige Hotel in Crikvenica in der Nähe von Rijeka kaufen, renovieren und als Vier-Sterne-Haus wiedereröffnen. Laut Anklage versuchten die Betreiber mehr als ein Jahr, eine Finanzierung aufzustellen, was ihnen aber nicht gelang. Also wandten sie sich an die Hypo, laut Anklage war Kulterer entscheidend daran beteiligt, dass das Unternehmen Geld bekam, obwohl es kein Eigenkapital hatte und die Besicherung durch die Liegenschaft problematisch war, da das Gebäude denkmalgeschützt war. Zuerst lief die Finanzierung über die Hypo Kroatien, auch hier schlugen die internen Prüfer Alarm und warnten vor dem Geschäft. Doch eine Lösung wurde gefunden, da die kroatische Hypo zu skeptisch war, wurde die Finanzierung auf die Hypo International verlagert.

Zahlung ohne Rechtsgrundlage

Walter Wolf wiederum erhielt 200.000 Euro netto ausgezahlt, obwohl er bereits einen Generalvergleich mit der Bank - nach vorherigen Streitereien - abgeschlossen hatte. Dieser umfasste die Zahlung von einer Million an eine Stiftung Wolfs sowie die Erlassung eines Privatkredits von ebenfalls einer Million. Wolf fühlte sich, so die Anklage, aber schlecht behandelt. Über Initiative eines Industriellen kam es zu einem Treffen Wolfs mit Kircher, dieser stimmte letztlich zu, Wolf noch einmal 240.000 Euro zu zahlen. Rechtsgrundlage für die Zahlung gab es keine, der Industrielle, der laut Staatsanwalt nicht wusste, dass der Anspruch eigentlich nicht besteht, ließ sich darauf ein, als "Zwischenstation" für das Geld zu fungieren. Die Überweisung der Bank an den Industriellen trägt die Unterschriften von Kulterer und Kircher. Um die Bücher sauber zu halten, dienten Scheinrechnungen.

Anklage noch nicht rechtskräftig

Die Anklage von Oberstaatsanwalt Andreas Höbl ist noch nicht rechtskräftig, mit Einsprüchen ist zu rechnen. Kulterers Anwalt Ferdinand Lanker bestätigte, die Anklage erhalten zu haben. Inhaltlich wollte er sich dazu nicht äußern. Seitens der Bank hieß es, der Sachverhalt Miramare sei von der Bank selbst im Herbst 2010 angezeigt worden, die rechtliche Bewertung liege nun bei Gericht. Wenn die Anklage rechtskräftig wird, ist mit einem umfangreichen Verfahren zu rechnen, immerhin sind 45 Zeugen angeführt, unter ihnen eine Reihe kroatischer Staatsbürger. (APA, 17.6.2015)

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