Wiener Forscher warnen vor neuer Methode zur künstlichen Befruchtung

17. Juni 2014, 15:29
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Laut Tierversuchen können mitochondrielle Erbkrankheiten, die durch die Methode verhindert werden sollen, mitunter dennoch ausgelöst werden

Wien - Eine neue Methode der künstlichen Befruchtung soll verhindern, dass Mütter Erbkrankheiten, die von fehlerhaften "Zellkraftwerken" (Mitochondrien) ausgelöst werden, an ihre Kinder weitergeben. Wiener Forscher haben nun aber herausgefunden, dass wenige mittransferierte Mitochondrien die Krankheit dennoch verursachen könnten. Die Studie wurde aktuell im Fachjournal "Cell Reports" veröffentlicht.

Die Zulassung dieser Methode, bei der drei Personen in eine künstliche Befruchtung involviert sind, werde derzeit in Großbritannien diskutiert und könnte in zwei Jahren Realität werden, so die Forscher um Jörg Burgstaller von der Abteilung für Reproduktionsbiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien in einer Aussendung. Dabei würden Mediziner von einer Eizelle der betroffenen Frau den Zellkern entnehmen und ihn in die Eizelle einer Spenderin mit intakten Mitochondrien einbringen. Diese kann anschließend im Reagenzglas mit dem Samen eines Mannes befruchtet werden.

Mitochindrien-Transfer

Mitochondrien sind Zellorganellen, die Energie produzieren und ein eigenes Erbgut besitzen, das ausschließlich über die Mütter weitergegeben wird. Erbkrankheiten, die durch defekte Mitochondrien ausgelöst werden, treten weltweit bei einer von 10.000 Personen auf, so die Forscher. Weil diese allesamt unheilbar sind, würde man derzeit versuchen, den betroffenen Frauen mittels Zellkerntransfer-Methoden einen gesunden Nachwuchs zu ermöglichen.

Wenn bei dieser Art von künstlicher Befruchtung aber ein paar defekte Mitochondrien mit übertragen werden, könnten sich jene gegen die gesunden durchsetzten und bei dem Kind genau jene Erbkrankheit auslösen, die verhindert werden sollte, fanden Forscher in Tierversuchen heraus.

Sie untersuchten dazu Labormäuse, in die sie künstlich fremde Mitochondrien eingebracht hatten. Weil bei den üblichen Laborstämmen die Mitochondrien kaum Unterschiede aufweisen, haben sie wilde Hausmäuse in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich gefangen und deren Mitochondrien-DNA analysiert. Dabei fanden sie vier verschiedene Mitochondrien-Typen, die sie jeweils zusätzlich in die Zellen der Labormäuse transferierten.

Verdrängungseffekt

Je größer die genetischen Unterschiede zwischen den beiden Mitochondrien-Varianten in den Versuchstieren waren, umso häufiger hatte eine davon einen massiven Wachstumsvorteil, und die andere wurde verdrängt, berichten die Forscher. Bei nahe verwandten Mitochondrien-Typen konnten sie diesen Verdrängungseffekt hingegen kaum beobachten.

Deshalb schlagen die Forscher vor, dass man bei einer solchen künstlichen Befruchtung die DNA in den Mitochondrien beider Frauen vorab analysiert und eine Eizellspenderin mit möglichst nahe verwandtem Mitochondrien-Erbgut wählt. Denn bei jedem Zellkerntransfer wird eine kleine Menge defekter Mitochondrien in die gesunde Eizelle übertragen.

"Bisher dachte man, dass diese minimale 'Verunreinigung' keine Folgen für das entstehende Kind hat", so Burgstaller. Doch wenn sich die Mitochondrien der beiden Mütter zufällig genetisch sehr unterscheiden, könnte es zu denselben Effekten wie im Mausmodell kommen. Setzten sich dabei die Mitochondrien mit dem defekten Erbgut durch, wäre die ganze Prozedur nutzlos gewesen. (APA/red, derStandard.at, 17.6.2014)

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