ISIS: Radikale Islamisten als Twitter-Profis

17. Juni 2014, 13:25
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Social-Media-Strategie wie westliche Konzerne - Anhängerschaft sieht größer aus, als sie ist

Die militante, fundamentalislamische Gruppierung "ISIS" (Islamischer Staat Irak und Syrien), macht dieser Tage weltweit Schlagzeilen. Kämpfer der Organisation konnten kürzlich Mosul, die zweitgrößte Stadt des Irak, einnehmen und sich offenbar auch die Kontrolle in einigen anderen Gebieten sichern.

Befürchtet wird auch ein Sturm auf Bagdad, auch wenn sich die Situation jüngst etwas entspannt hat. Doch während der militärische Konflikt im mittleren Osten wieder angeheizt wird, führen die Islamisten auch einen Feldzug auf Twitter.

"Anbruch der Evangelien"

Bei diesem setzt ISIS, so berichtet The Atlantic, hauptsächlich auf eine App mit einem Titel, der sich grob mit "Der Anbruch der Evangelien" übersetzen lässt. Zu beziehen ist sie im Play Store als auch über alternative App-Stores für Android-Geräte und ist laut Beschreibung ein Programm, um über die Lage im Irak, Syrien und der "muslimischen Welt" am aktuellen Stand zu bleiben.

Die Software verlangt einige Rechte vom Nutzer, darunter Zugriffsrechte auf den Speicher und Inhalte wie Mediendateien, als auch das Überprüfen der WLAN-Verbindung. Gibt der User sein Twitterkonto für die App frei, werden über seinen Account Nachrichten gepostet, deren Inhalte von ISIS-Mitgliedern verfasst werden.

Damit die Userkonten nicht bei Twitters Spamerkennung auffallen, wird der Versand von Nachrichten zeitversetzt durchgeführt. Davon abgesehen kann der Nutzer seinen Twitter-Account normal weiterverwenden.

Twitter-Offensive bei militärischem Vormarsch

Gestartet ist die App im April 2014, doch mit dem Beginn der jüngsten militärischen Offensive stiegen die Postingzahlen deutlich an. Das Rekordhoch liegt derzeit bei fast 40.000 Einträgen, erreicht an jenem Tag, an dem ISIS in Mosul einmarschierte.

Als der Marsch auf Bagdad begonnen wurde, begannen tausende Nutzer Nachrichten zu tweeten, in denen ein Kämpfer mit ISIS-Flagge und dem Bildtitel "Bagdad, wir kommen" zu sehen war. Dies führte auch dazu, dass bei einer Suche nach der irakischen Hauptstadt auf Twitter jenes Foto stets unter den ersten Ergebnissen war.

Hashtag-Kampagnen

Doch die Extremisten führen auch gezielte Hashtag-Kampagnen durch. Dabei gehen sie ähnlich vor, wie viele westliche Konzerne, wenn es darum geht, gezielt bestimmte Nutzergruppen anzusprechen oder ihr Profil zu schärfen.

Im Laufe dieses Jahres hatte ISIS etwa angedeutet, in Zukunft möglicherweise eine Namensänderung durchzuführen. Dem folgte eine Kampagne, die wirken sollte wie eine Grassroots-Bewegung, die von der ISIS-Führung verlangte, in Syrien und dem Irak nicht eine islamische Republik, sondern ein Kalifat auszurufen – eine Entscheidung die unter Jihadisten als umstritten gilt. Dies führte zu zahlreichen kontroversen Diskussionen, die die Gruppierung wohl ausgewertet haben dürfte. Eine Namensänderung wurde allerdings nie vollzogen.

Bilder für die Medien

Mit ihren Auftritten auf sozialen Medien zieht die Organisation auch die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Dies ist freilich nicht verwunderlich, postet man dort doch etwa bildliche Dokumentationen der Hinrichtungen von Gegnern. ISIS hat freilich online zahlreiche Unterstützer, warnt The Atlantic, es sind aber nicht so viele, wie es scheint. (red, derStandard.at, 17.06.2014)

  • Bilder wie dieses, das einen jubelnden ISIS-Anhänger vor einer eroberten Militärbasis zeigt, verbreitet die extremistische Organisation auf Twitter.
    foto: ap

    Bilder wie dieses, das einen jubelnden ISIS-Anhänger vor einer eroberten Militärbasis zeigt, verbreitet die extremistische Organisation auf Twitter.

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