Tipps für den Ferienjob

17. Juni 2014, 10:31
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Ferienjobs und Praktika haben oft einen schlechten Ruf. Rechtliche und praktische Tipps, wie die große Enttäuschung vermieden werden kann

Geld verdienen und wertvolle Erfahrungen sammeln – Ferialpraktika und Ferialjobs gehören in den Sommerferien für tausende Schülerinnen und Studenten zum Alltag dazu. Aber: Junge Leute, die im Sommer ein Praktikum machen müssen, sollten aufpassen, so die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ).

Denn für Praktika in Firmen gibt es selten klare Regeln. Immer wieder melden sich bei der AKNÖ Jugendliche, die als "PraktikantInnen“ voll gearbeitet haben, dann aber bestenfalls ein Taschengeld bekommen haben und nicht einmal bei der Sozialversicherung angemeldet gewesen sind.

"Ein Pflichtpraktikum im Rahmen einer Schulausbildung oder eines Studiums ist in der Regel dann ein Arbeitsverhältnis, wenn eine persönliche Arbeitspflicht vorliegt und man in Arbeitsablauf eingegliedert sowie weisungsgebunden ist,“ erklärt AKNÖ-Experte Robert Hörmann. So sind Pflichtpraktika im Hotel- und Gastgewerbe in der Regel Arbeitsverhältnisse.

Bei einem Arbeitsverhältnis hat man im Gegensatz zu einem Ausbildungsverhältnis mehr Rechte, wie zum Beispiel auf Entgelt oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Das Wichtigste vor Antritt des Praktikums:

- Genaue Tätigkeit, Beginn und Ende der Beschäftigung, Arbeitszeit, Entlohnung, eventuell Kost und Quartier sowie einen etwaigen Abzug für Kost oder Quartier in einem Arbeitsvertrag schriftlich vereinbaren sowie die Kollektivvertrags-Zugehörigkeit des Betriebes abklären.

- Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit vereinbaren und die freien Tage im Vorhinein festlegen. Achtung: Überstunden für Jugendliche unter 18 Jahren sind nicht erlaubt!

- Sofern kein Arbeitsverhältnis, sondern ein Ausbildungsverhältnis vorliegt, bedeutet das: kein Lohn oder Gehalt nach dem Kollektivvertrag sondern - wenn vereinbart - ein "Taschengeld“, keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, kein Anspruch auf Sonderzahlungen oder Urlaubsanspruch.

Dafür gibt es in der Regel KEINE Bindung an Arbeitszeiten und im Mittelpunkt muss die Vermittlung von Inhalten passend zur schulischen Ausbildung stehen, nicht eine Arbeitsleistung.

Das Wichtigste während des Praktikums:

- Regelmäßig genaue Tätigkeitsaufzeichnungen und Aufzeichnungen über die tatsächliche Arbeitszeit führen und aufbewahren, um notfalls die Art und Dauer des Arbeitseinsatzes nachweisen zu können.

- Unrichtige Arbeitszeitaufzeichnungen nicht unterschreiben!

- Der Arbeitgeber muss (Pflicht-)PraktikantInnen vor Antritt des Dienst- bzw. Ausbildungsverhältnisses bei der Gebietskrankenkasse anmelden und ihm/ihr umgehend eine Abschrift dieser Anmeldung aushändigen.

Das Wichtigste nach dem Praktikum:

- Keine – meist klein gedruckte – Verzichtserklärung unterschreiben!

- Wenn zustehendes Entgelt bei einem Dienstverhältnis nicht ausbezahlt wurde sollte der Arbeitgeber umgehend und schriftlich zur Nachzahlung aufgefordert werden. Vorsicht: Wer zu lange wartet, kann aufgrund von Verfallsbestimmungen Geld verlieren.

-  Wenn Lohnsteuer abgezogen wurde, obwohl keine Lohnsteuerpflicht vorliegt, kann diese innerhalb der nächsten fünf Jahre mit der Arbeitnehmerveranlagung vom Finanzamt zurückverlangt werden.

Lohnsteuerpflichtig ist, wer über das Jahr gerechnet über 12.000 Euro verdient.

Wenn es zu Problemen kommt, so ist es sinnvoll, umgehend mit dem Betriebsrat des Betriebs, mit der zuständigen Fachgewerkschaft oder Arbeiterkammer Kontakt aufzunehmen, raten die Experten der Arbeiterkammer. (kbau, derStandard.at, 17.06.2014)

  • Ferienjobs und Praktika: Unklar geregelt, oft voller Wirrwarr. Tipps, um gut ans Ziel zu kommen.
    foto: robert newald

    Ferienjobs und Praktika: Unklar geregelt, oft voller Wirrwarr. Tipps, um gut ans Ziel zu kommen.

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