China legt Microsofts Patentarsenal gegen Android offen

17. Juni 2014, 09:13
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Behörde veröffentlicht Liste von 310 Patenten und Anträgen - Für Nokia-Übernahme zusammengestellt

Über die Jahre hat Microsoft ein erkleckliches Patenarsenal zusammengetragen, und zwar eines, das man in den letzten Jahren vermehrt auch gegen die Konkurrenz in Stellung gebracht hat. Vor allem Android ist dabei immer stärker ins Fadenkreuz der Redmonder gelangt, will Microsoft doch die Hardwarehersteller in Patentabkommen drängen, und so das “Gratis”-Argument von Google unterwandern.

Bilanz

Dieses Bestreben kann als teilweise erfolgreich angesehen werden: Zwar ist es Microsoft nicht gelungen, den Markt zu beeinflussen, und Android-Marktanteile abzuknabbern. Allerdings verdient der Windows-Phone-Hersteller mittlerweile dank Lizenzabkommen bei den meisten verkauften Android-Geräten mit.

Geheimhaltung

Unbekannt war dabei bisher, welche Patente Microsoft eigentlich gegen Android in Stellung bringt, hält der Softwarehersteller diese Liste doch unter Verschluss. Nun wird diese erstmals öffentlich - wenn auch nicht gerade mit Zustimmung von Microsoft: Das chinesische Wirtschaftsministerium hat zwei Listen mit den betreffenden Patenten auf der eigenen Webpage veröffentlicht, wie Arstechnica aufgespürt hat.

Ursprung

Offenbar wurden die Informationen im Zusammenhang mit der Übernahme des Mobiltelefonherstellers Nokia an die Behörde übermittelt. Aufgrund der Besorgnis einiger Hardwarehersteller, dass Microsoft nach der Nokia-Übernahme die Lizenzkosten erhöhen konnte, musste der Softwarehersteller einwilligen, die Gebühren für fünf Jahr fix festzulegen - und zum Abgleich die betroffenen Patente offenlegen.

Umfangreich

Insgesamt sind es 310 Patente und Patenteinträge, die Microsoft in Stellung bringt. Darunter zahlreiche Patente, die von Microsoft selbst eingebracht wurden, aber auch viele, die man vor einigen Jahren als Teil des Rockstar Consortiums in einem Bieterwettstreit mit Google aus der Konkursmasse von Nortel erstanden hatte. Ein Vorgang, der infolge übrigens die Übernahme von Motorola Mobility durch Google ausgelöst haben soll.

Auswahl

In der Liste finden sich jedenfalls zunächst einige Einträge, die zu erwarten waren: So etwa das Patent auf das exFAT-Dateisystem sowie eine ganze Gruppe von Patenten, die sich um Exchange Active Sync drehen. Dazu kommen aber auch Patente, die bislang unbekannt waren: Etwas rund um die lokale Suche oder die Darstellung von sich wiederholenden Events. Auch auf das Tracken von einzelnen Personen in einem drahtlosen Netzwerk mithilfe von Datenprofilen erhebt Microsoft einen Anspruch.

Statistik

Unter den Patenten befinden sich 73, die Microsoft als standardrelevant für den Betrieb von Smartphones im Allgemeinen ansieht. Weitere 127 sieht man im speziellen durch Android verletzt. Dazu kommen noch 42 nicht-standardrelevante Patente und 68 diesbezügliche Patentanträge. (red, derStandard.at, 17.6.2014)

  • Nach der Übernahme von Nokia ist Microsoft mittlerweile selbst zum Androidanbieter geworden - was das Unternehmen nicht davon abhält, die eigenen Patente gegen andere Androidhersteller in Stellung zu bringen.
    foto: gustau nacarino / reuters

    Nach der Übernahme von Nokia ist Microsoft mittlerweile selbst zum Androidanbieter geworden - was das Unternehmen nicht davon abhält, die eigenen Patente gegen andere Androidhersteller in Stellung zu bringen.

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