Wohin Graz wächst

17. Juni 2014, 21:43
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Die steirische Metropole reagiert auf das Bevölkerungswachstum mit Stadterweiterung auf den Reininghausgründen und Nachverdichtung im Bestand

Nicht nur Wien, auch Graz wächst: Um 12,3 Prozent hat die Bevölkerung der steirischen Landeshauptstadt zwischen 2003 und 2013 zugelegt. Bis 2030 sollen noch einmal 22.000 dazukommen. Kein Wunder: Eine Umfrage der Stadt Graz hat im Vorjahr ergeben, dass neun von zehn Grazern gerne oder sehr gerne in ihrem Stadtteil leben. Und Platz zum Wachsen nach außen gäbe es ja eigentlich genug.

Das will man bei der Stadt Graz aber keinesfalls: "Kein flächenmäßiges Wachstum nach außen, sondern reine Innenentwicklung", fasst Bernhard Inninger, Abteilungsvorstand des Grazer Stadtplanungsamtes, die Strategie zusammen. Das einzige größere Neubaugebiet: die vieldiskutierten Reininghausgründe, die nun ja langsam Gestalt annehmen (siehe Artikel).

Zauberwort Nachverdichten

"Ansonsten bleiben wir komplett innerhalb des bestehenden Siedlungsraumes", so Inninger. Das gehe sich aus - "da ist noch sehr viel Luft drin". Das Zauberwort heißt also Nachverdichten. Im Flächenwidmungsplan werde bei den Dichten daher teilweise "nachgeschärft". Außerdem will Inninger fortan klar kommunizieren, wo die Zielgebiete der Stadtentwicklung liegen.

Der Grüngürtel zum Beispiel, der auch Baugebiete umfasst, bestehe aus "sehr dünn besiedelten Einfamilienhausgebieten". Brache Industriegebiete, Kasernenareale und nicht mehr benötigte Eisenbahnareale würden sich zur Umnutzung anbieten.

"Politik gefordert"

Während sich hier noch vieles im Planungsstadium befindet, wird andernorts schon emsig gebaut: "Es tut sich einiges in Graz", fasst Gerald Gollenz, Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Steiermark, die diesbezügliche Lage zusammen. Im Pfauengarten in der Grazer Altstadt etwa, oder im ORF-Park werden gerade freie Flächen in der Innenstadt gefüllt - beides befindet sich aber eher im hochpreisigen Segment.

Doch auch die Genossenschaften sind am Bauen. Mit der steigenden Nachfrage komme man aber nur im freifinanzierten Bereich nach, betont Gollenz. Im geförderten Sektor spießt es sich mit der Wohnbauförderung - für Neubau ist nur wenig Geld vorhanden. Die Politik sei daher gefordert, "die Wohnbauförderung so auf die Beine zu stellen, dass sie nachhaltig ist und dieser Sektor abgedeckt werden kann", sagt Gollenz. Er betont aber, dass es auch im gewerblichen Sektor preiswertes Wohnen gibt, beispielsweise bei einigen Projekten in Eggenberg oder auf den Reininghausgründen.

Viel Potenzial

Doch nicht nur im Neubau könnte Potenzial liegen: Graz könnte auch - so wie Wien - in Form von Dachgeschoßausbauten ein Stück weit in die Höhe wachsen. Ideen dafür gibt es viele - in der Theorie könnte man durch eine Aufstockung der Gründerzeithäuser so viele Wohnungen unterbringen, wie Graz in den nächsten Jahren brauche, meint etwa Hans Gangoly von der TU Graz (siehe Interview).

Realistisch betrachtet, sieht Inninger weitaus weniger Potenzial: Das Altstadterhaltungsgesetz mit der Dachlandschaftserhaltungsverordnung sorge dafür, dass die Grazer Dachlandschaft "sehr viel ursprünglicher und homogener erhalten ist als die Wiener Dachlandschaft". Für andere Formen der Nachverdichtung - etwa die Nutzung der Innenhöfe - sieht Gollenz hingegen großes Potenzial: "Aber Politiker und Beamte sind nicht willens, dem nachzukommen."

Auch wenn der Stadtplanungschef es ausschließt: Auch nach außen ist Wachstum in Zukunft möglich, so Gollenz: "Die Stadt könnte schon an ihre Grenzen stoßen, aber rundherum ist noch einiges da." (Franziska Zoidl, DER STANDARD, 14.6.2014)

  • Der Uhrturm hat schon vieles kommen und gehen sehen - nun also das  größte Bevölkerungswachstum der Stadtgeschichte.
    foto: apa/techt

    Der Uhrturm hat schon vieles kommen und gehen sehen - nun also das größte Bevölkerungswachstum der Stadtgeschichte.

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