Gnadenlose USA mit Sieg über Ghana

17. Juni 2014, 02:06
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Afrikaner laufen das ganze Spiel einem Rückstand nach und müssen sich nach dem späten Ausgleich doch noch geschlagen geben

Natal - "Es begann mit dem Magischen. Es endete mit dem Wunderbaren." Die New York Times griff nach der Auftaktpartie der US-Amerikaner in die Wundertüte der englischen Sprache. Das im hiesigen Sprachraum so gerne verwendete Wort "nail-biting" kam auch zum Einsatz. Das Wort "glücklich" fehlte. Es sei den US-Amerikanern nachgesehen - der Patriotismus.

Der 2:1-Sieg gegen Ghana, die zweite Partie in der Gruppe G nach dem fulminanten 4:0 Deutschlands gegen Portugal, war ein glücklicher. Vor allem in der zweiten Halbzeit waren die Afrikaner überlegen, allein die Chancenauswertung ließ zu wünschen übrig. Nach nur 30 Sekunden hatte Clint Dempsey die USA in Führung gebracht ("magisch"). Das fünftschnellste Tor der WM-Geschichte. André Ayew erzielte in Minute 82 den verdienten Ausgleich für die Ghanaer, ehe vier Minuten später der eingewechselte John Brooks das Siegestor für die Truppe von Jürgen Klinsmann und dessen Co. Andreas Herzog schoss. ("wunderbar").

Fast genauso, erzählte Brooks, hatte er es zwei Nächte davor geträumt. Nur hatte der Verteidiger da den Treffer in der 80. statt in der 86. Minute erzielt. Ein amerikanischer Traum quasi.

"Am Ende des Tages haben wir die drei Punkte bekommen, die wir unbedingt haben wollten", sagte Klinsmann. Und: "Wir haben einen großen Spirit in der Mannschaft. Es war ein harter Kampf, der sich gelohnt hat. Es gibt sicherlich noch Dinge, die zu verbessern sind, aber Ghana war auch eine verdammt gute Mannschaft."

Barack Obama dürfte auch erfreut gewesen sein. "Zeigt, aus welchem Holz wir geschnitzt sind", hatte der US-Präsident dem Team vor dem Spiel per Videobotschaft mit auf den Weg gegeben. Und dann war da noch die negative Erinnerung, die die US-Amerikaner vor dem Spiel freilich nicht in den Köpfen haben wollten. Bei den zwei vorangegangenen Weltmeisterschaften wurden sie jeweils von Ghana aus dem Turnier geworfen. 2006 in Deutschland im finalen Gruppenspiel (1:2), 2010 in Südafrika im Achtelfinale (1:2 nach Verlängerung). "Wir hatten noch etwas offen mit Ghana", sagte Dempsey. Tim Howard sowieso. Sowohl 2006, als auch 2010 war der Goalie im US-Team. An diesem Abend in Natal verrichtete der 35-Jährige seinen Job vorzüglich. Er musste es, auch weil die Abwehr vor ihm ziemlich wackelte. Allein Asamoah Gyan hätte mehrfach für die Black Stars treffen können.

Boateng nur auf der Bank

Insgesamt 21 Schüsse feuerten die Westafrikaner in Richtung US-Tor ab. Kevin-Prince Boateng, Bruder des deutschen Verteidigers Jerôme Boateng, konnte nicht allzu viel beitragen. Der Mittelfeldmann von Schalke wurde erst in der 59. Minute eingewechselt. "Ich habe mich auch gewundert, dass ich nicht gespielt habe. Mehr möchte ich dazu nicht sagen." Michael Essien vom AC Milan kam erst ab Minute 71 zum Einsatz.

"Auf diesem Niveau wird jeder Konzentrationsfehler böse bestraft. Wir hatten genug Möglichkeiten und haben sie im Unterschied zu den USA nicht genutzt", sagte Teamchef Kwesi Appiah. Der schnelle Gegentreffer habe sein Team zusätzlich verunsichert.

Ein Achtelfinaleinzug scheint für Ghana schon fast unmöglich, zumal zumindest gegen einen der zwei auf dem Papier schwersten Gruppengegner ein Sieg her muss. Appiah gibt sich dennoch zuversichtlich: "Wir haben noch zwei Spiele, da werden wir besser sein." Und Torschütze Ayew sagte: "Es ist noch nicht vorbei, wir waren stark. Wir werden nicht aufgeben, jetzt müssen wir halt gegen Deutschland gewinnen." Das Duell steht am Samstag in Fortaleza an. Vor vier Jahren ging das Vorrundenduell nur knapp mit 0:1 verloren.

Die USA treffen am Sonntag in Manaus auf Portugal. Möglicherweise ohne Stürmer Jozy Altidore und Verteidiger Matt Besler. Beide mussten gegen Ghana ausgewechselt werden. Beide zogen sich eine Muskelverletzung im Oberschenkel zu. Mit einem Sieg und deutscher Schützenhilfe könnte dennoch vorzeitig der Achtelfinaleinzug fixiert werden. Worte wie "magisch" und "wunderbar" könnten dann wieder fallen. (rie, sid, APA - DER STANDARD, 18.6. 2014))

Ghana - USA 1:2 (0:1). Natal, Estadio das Dunas, 40.000, SR Eriksson (SWE).

Tore: 0:1 ( 1.) Dempsey, 1:1 (82.) A. Ayew, 1:2 (86.) Brooks

Ghana: Kwarasey - Opare, Boye, Mensah, Asamoah - Rabiu (71. Essien), Muntari - Atsu (78. Adomah), J. Ayew (59. K. P. Boateng), A. Ajew - Gyan

USA: Howard - Johnson, Cameron, Besler (46. Brooks), Beasley - Bedoya (77. Zusi), Bradley, Beckerman, Jones - Altidore (23. Johannsson), Dempsey

Gelbe Karten: Rabiu, Muntari bzw. Keine

  • Der gebürtige Berliner John Brooks spielt und trifft für die US-Nationalmannschaft.
    foto: apa/epa/krzaczynski

    Der gebürtige Berliner John Brooks spielt und trifft für die US-Nationalmannschaft.

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