Schland müllert die armen Portugiesen 

16. Juni 2014, 20:06
1717 Postings

Das deutsche Team hat sich sehr, sehr eindrucksvoll ins brasilianische Turnier gemeldet. Portugal wurde mit unerwarteter Deutlichkeit und kleiner Schiedsrichterhilfe richtiggehend abserviert. 

Salvador da Bahia - Deutschland, zuletzt auch daheim einigermaßen hin- und her- und entlanggewatscht auf dem Fußballkritiker-Boulevard, hat sich in sehr eindrucksvoller Weise zumindest als Favorit für den Sieg in der Gruppe G etabliert, aber wahrscheinlich für weit mehr. Denn Portugal, das die Deutschen da so quasi im Vorbeigehen 4:0 abserviert haben zum Auftakt, ist ja nicht irgendwer. Sondern, im Gegenteil, zum Beispiel Cristiano Ronaldo, gegen den ein Jerome Boateng vergleichsweise ein Manndecker ist. Aber andererseits: was für einer.

Die kleine Hilfe

Ja, eh: Der Elfer in der 12. Minute (Götze fällt über Peireras kleinen Finger) war, meinte selbst der ARD-Kommentator, nur im Vergleich zu dem am Brasilianer Fred ein klarer. Und ja: die Rote Karte gegen den - 'tschuldigung schon: ausnehmend depperten - Pepe (37.) war eine, von der selbst der betroffene Thomas Müller für den serbischen Schiri Milorad Mazic hoffte, dass da schon was dran war. "Ich habe die Bilder noch nicht gesehen. Ich hoffe, dass es nicht blöd ausgesehen hat und ich mich gut aus der Affäre gezogen hab. Ich hab einen Schlag mit der Faust gespürt." Das also schon.

Gleichwohl: Wer Portugal in der ersten Halbzeit mit 3:0 so in die Ecke boxt, darf schon von einem verdienten Sieg sprechen. 12. Minute: Elfer durch Müller. 33.: Mats Hummels köpflings nach Corner. In der Nachspielzeit: noch einmal Müller.

Portugals Trainer Paulo Bento klang ratlos: "Abgesehen von den ersten fünf Minuten haben wir einfach nicht ins Spiel gefunden. In der zweiten Halbzeit war nichts mehr zu retten." Nur noch einzustecken: Müller müllert einen Rückraumstangler rein (78.) und setzt sich mit drei Toren an die Spitze der Turnierscorerliste.

Deutschland hat - rechtzeitig, wie so oft - einen quasi fliegenden Start hingelegt. Einen, der nicht das uralte piefkische Glück zu zwingen versuchte, sondern das schöne Spiel betonte. Wie 2010 in Südafrika, wo man im Rückgriff auf die Bemühungen der Heim-WM 2006 versuchte, das Neue am deutschen Kick zu beschreiben und das Land "Schland" zu nennen anfing. So ein Schland machte in Salvador kurzen Prozess mit den so Hochgerankten. Portugal ist Weltranglistenvierter.

"Die Mannschaft", freute Trainer Joachim Löw sich schon auf das Entspannende des Heimflugs ins Quartier, "war unheimlich kompakt, wir haben kaum Konterchancen zugelassen. Wir haben schnell nach vorne gespielt. In der zweiten Hälfte war es dann ein anderes Spiel, da ging es um das Ballhalten und darum, schnell zu kontern. Boateng hat es klasse gegen Ronaldo gemacht."

Löws Kapitän Philipp Lahm, als Sechser ziemlich beteiligt am so wunderbaren Turnierstart von Schland, assistiert: "Wir wissen, dass wir funktionieren können, aber es gehört so viel dazu. Heute hat selbst die vordere Reihe unglaublich gut gearbeitet." Und er verspricht oder droht: "Es ist ein schöner Sieg, aber wir sind nicht am Ende."

Vor allem deshalb nicht, weil das alles doch unter dem gestrengen Auge der Frau Mama stattgefunden hat. Was hätten die so hochmotivierten Buben also anders tun können. Außer sich eben zu besinnen darauf, worauf Keith Richards und Mick Jagger sich besinnen auch noch im hohen und höchsten Alter: "But Angie, Angie - You can't say we never tried." (sid, wei, DER STANDARD, 17.6.2014)

Fußball-WM 2014, Gruppe G:

Deutschland - Portugal 4:0 (3:0)

Salvador, Fonte Nova Arena, 48.500, SR Mazic/SRB.

Tore: 1:0 (12.) Müller (Foul-Elfmeter), 2:0 (33.) Hummels, 3:0 (45.+1) Müller, 4:0 (78.) Müller

Deutschland: Neuer - Boateng, Mertesacker, Hummels (73. Mustafi), Höwedes - Khedira, Lahm, Kroos - Müller (82. Podolski), Özil (63. Schürrle), Götze

Portugal: Rui Patricio - Joao Pereira, Bruno Alves, Pepe, Coentrao (65. Andre Almeida) - Joao Moutinho, Miguel Veloso (46. Ricardo Costa), Raul Meireles - Nani, Hugo Almeida (28. Eder), Cristiano Ronaldo

Rote Karte: Pepe (37., Tätlichkeit)

Gelbe Karten: Keine bzw. Joao Pereira

  • Thomas Müller ist der erste Spieler der WM 2014, der drei Tore erzielt.
    foto: ap

    Thomas Müller ist der erste Spieler der WM 2014, der drei Tore erzielt.

  • Ronaldo & Co waren nicht konkurrenzfähig und zu allem Überdruss mit dem Schiri unzufrieden.
    foto: ap

    Ronaldo & Co waren nicht konkurrenzfähig und zu allem Überdruss mit dem Schiri unzufrieden.

Share if you care.