Saddam-Vize soll Drahtzieher des Terroristen-Vormarschs sein

16. Juni 2014, 19:31
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Säkularer Ex-General Al-Douri schloss Bündnis mit sunnitischen Extremisten

Bagdad - Bei der radikalsunnitischen ISIS-Miliz mischen zahlreich Getreue des hingerichteten irakischen Diktators Saddam Hussein mit - angeblich auch dessen rechte Hand, Ex-General Izzat Ibrahim al-Douri. Er wird als einer der wichtigsten Drahtzieher hinter dem blutigen Aufstand vermutet.

Ein einst hochrangiger Offizier unter Saddam Hussein sagte der "New York Times", dass Douri den Feldzug von ISIS seit zwei Jahren geplant habe. Douri, 71, war einst rechte Hand von Saddam Hussein und ist noch immer Chef dessen inzwischen verbotener Baath-Partei.

Bündnis mit Jihadisten

Der Militär ist kein gläubiger Eiferer, sondern eher säkular und nationalistisch geprägt. Doch offenbar ist der Mann nicht wählerisch bei der Auswahl seiner Freunde und hat gegen Bagdad ein Bündnis mit den Jihadisten von ISIS geschlossen, schrieb "Spiegel Online" am Montag.

Er steht auf der Fahndungsliste der USA ganz oben. Zehn Millionen Dollar waren auf ihn ausgesetzt. Dutzende Male hieß es schon, der Rothaarige sei getötet oder verhaftet worden, doch immer wieder tauchte er auf. Er findet vor allem unter Sunniten Gehör, der Glaubensrichtung, der auch Saddam Hussein angehörte. Der schiitische Regierungschef Nuri al-Maliki hat es nicht verstanden, die Sunniten in den neuen Irak einzubinden. Viele von ihnen fühlen sich diskriminiert.

Douri hatte in Zeiten der Saddam-Herrschaft Österreich wiederholt besucht, um sich verschiedenen medizinischen Behandlungen zu unterziehen. Als der Grünen-Politiker Peter Pilz 1999 Anzeige wegen Kriegsverbrechen erstattete, wurde diese von der Staatsanwaltschaft Wien "wegen mangelnder Gründe" zurückgelegt. Kärntens früherer Landeshauptmann Jörg Haider wurde bei seinen Irak-Besuchen auch vom Saddam-Vize empfangen. Die Begegnungen sind in Haiders Buch "Zu Gast bei Saddam - Im 'Reich des Bösen'" dokumentiert.

Als Mossul an die Islamisten fiel, war die Welt entsetzt. Nur Saddam Husseins Tochter Raghad jubelte aus dem jordanischen Exil: "Diese Siege sind den Kämpfern meines Vaters zu verdanken und Onkel Izzat al-Douri", sagte sie der arabischen Zeitung "al-Quds".  (APA, 16.6.2014)

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