Harter Weg zum Frieden

Kommentar16. Juni 2014, 18:44
posten

Nach Kolumbiens Präsidentenwahl steht Sieger Santos vor schwieriger Prüfung

Am Ende ist es in jenem Duell, das als eines zwischen Krieg und Frieden stilisiert wurde, eine knappe Mehrheit für den Frieden geworden. Doch dass Kolumbiens amtierender Präsident Juan Manuel Santos nach hartem Kampf mit rund 51 Prozent im Amt bestätigt wurde, kann wohl kaum als uneingeschränkte Zustimmung zu seiner Regierungsführung gesehen werden.

Der Weg zu einer Einigung mit den linken Guerillagruppen ist jedenfalls noch nicht geebnet, trotz der in Santos' Kampagne omnipräsenten Friedenstauben: Zwar hat sich der Präsident vom Hardliner zu einem glaubhaften Verhandler gewandelt. Seine Regierung galt aber schon bisher als wenig schlagkräftig; nach dem knappen Votum ist sie weiter geschwächt. Für ein Abkommen werden aber harte Schritte nötig sein, darunter viele, die die wohlhabende Elite des Landes schmerzen. Und Ex-Präsident Álavaro Uribe, seit März Senator und noch immer beliebt, wird wenig unversucht lassen, um den Dialog zu sabotieren.

Das geplante Referendum vor der finalen Zustimmung zum Friedensplan ist womöglich keine Lösung. 45 Prozent haben mit Óscar Iván Zuluaga für einen Kandidaten gestimmt, dessen spätes Einverständnis zu Dialog "unter richtigen Bedingungen" bestenfalls als Taktik zu sehen ist. Sollte Santos einen Deal präsentieren, den nur vier Prozent seiner Unterstützer - oder die zahlreichen Nichtwähler - als "falsch" empfinden, rückt der Frieden in weite Ferne. (DER STANDARD, 17.6.2014)

Share if you care.