Bunter Abend des Seriösen 

16. Juni 2014, 18:20
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Tenor Piotr Beczala im Wiener Konzerthaus 

Wien - Piotr Beczala hat einmal - ironiefrei, also recht ernst - erzählt, er habe eine schwarze Liste mit Namen von Regisseuren, mit denen er nie zusammenarbeiten würde. Der polnische Tenor, der einst an der Linzer Oper eine recht harte Zeit erlebte, kann sich solch strengen Zugang zur Opernwelt leisten. In jener Liga, in der er sich mittlerweile bewegt, trifft man auf Bühnen Kolleginnen wie Anna Netrebko (bei den Salzburger Festspielen in Bohème) und hat einen Vertrag mit der Deutschen Grammophon.

In dieser Oberliga verfügt man auch über Reichweiten, die es ermöglichen, bunte Abende wie diesen im vollen Konterhaus zu geben. Sie sind mit breitenwirksamem Repertoire versehen und zeigen, dass Beczalas Popularität auch außerhalb der Opernhäuser Magnetismus entfaltet. Zu Recht: Beczala vereint an diesem Abend Intensität und Schmelz, ob er nun Verdi (Maskenball, Riccardos Arie Di' tu se fedele), Dvorák (Rusalka, Arie des Prinzen Vidino divna, presladka) zelebriert oder in seiner Erinnerung an Tenor Richard Tauber mit Lehárs Eingebungen Operettencharme versprüht.

Gassenhauer wie Freunde, das Leben ist lebenswert und Dein ist mein ganzes Herz nimmt er dabei jederzeit ernst, versieht sie mit tenoraler Klarheit. Das Material wird dabei seriös, also nicht zu schnulzig, behandelt. Und doch wird ihm dieses gewisse süffige Etwas zuteil.

Mit dem Symphonieorchester der Volksoper hatte er einen respektablen Partner zur Seite. Indes: Dirigent Lukasz Borowicz lässt den Klangkörper mit Beczala zwar gut mitatmen. Es fehlte jedoch, was Lautstärke anbelangt, die nötige Sensibilität, vokale Subtilitäten adäquat zu vergolden. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 17.6.2014)

  • Intensität und Schmelz:  Tenor Piotr Beczala.
    foto: anja frers / dg

    Intensität und Schmelz: Tenor Piotr Beczala.

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