Hohe Steuern bremsen Wachstum

16. Juni 2014, 18:19
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Die Steuerlast ist in Österreich zuletzt weiter gestiegen. US-Ökonomen orten hierzulande daher viel Potenzial für eine Steuerreform

Wien - Während politisch hierzulande um eine Senkung der Abgabenlast gestritten wird, zeigt eine neue Studie der europäischen Statistikbehörde Eurostat, dass Österreich im Vergleich die dritthöchste Steuerquote auf Arbeitseinkommen hat. Das geht aus Zahlen aus dem Jahr 2012 hervor. Durchschnittlich gehen in Österreich 41,5 Cent jedes verdienten Euro an den Fiskus. Im EU-Schnitt waren es rund 36 Cent. Mehr noch: Während die Gesamtbelastung für Arbeitseinkommen in den EU-Staaten seit 2000 konstant geblieben ist, ist sie in Österreich um 1,4 Prozentpunkte gestiegen.

Doch wie kann die Wirtschaftspolitik eine Entlastung herbeiführen? Am Montag haben dazu US-Steuerexperten auf Einladung des Instituts für Höhere Studien (IHS) und der Wirtschaftskammer diskutiert. Martin Feldstein, Professor an der Harvard University, warnte vor den negativen Effekten hoher Steuersätze in einer Währungsunion. "Arbeit und Kapital sind deutlich mobiler in einer Währungsunion, es gibt daher Grenzen dafür, wie hoch die Steuerbelastung in Österreich steigen kann." Gerade gut ausgebildete Menschen und Unternehmer könnten sonst dem Land den Rücken zukehren, warnte Feldstein vor dem sogenannten "Brain Drain". Doch wie kann eine Entlastung finanziert werden, um Talente im Land zu halten?

Wachstumsfeind

James Poterba vom renommierten Massachusetts Institute of Technology gehörte in den USA und Großbritannien Steuerreformkommissionen an. Er warnt, dass hohe Steuern bei Arbeits- oder Kapitaleinkommen wachstumsfeindlich sein könnten. Er ortete vor allem einen Bereich, in dem Österreich noch Einnahmen zur Gegenfinanzierung einer Steuersenkung finden könnte. "Mit Steuern auf Immobilien könnte Österreich mehr Einnahmen lukrieren, ohne das langfristige Wachstumspotenzial zu gefährden." Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien liegen die Abgaben auf Immobilien in Österreich um zwei bis drei Prozentpunkte im Verhältnis zum Wirtschaftsprodukt niedriger.

Poterba kritisiert, dass etwa der Besitz von Wohneigentum steuerlich zu stark begünstigt wird. Wer eine Wohnung kauft und vermietet, muss auf die Mieteinnahmen Steuern zahlen. Wer selbst in der Immobilie wohnt, erspart sich seine eigenen Mietausgaben, zahlt darauf aber keine Steuern. Daher heben etwa Länder wie die Schweiz Abgaben auf diese "unterstellten Mieten" ein. Poterba würde das Österreich ebenso vorschlagen. Sonst würden Wohnimmobilien zu sehr bevorzugt, "dabei tragen diese Investitionen relativ wenig zur Volkswirtschaft bei". Andere Anlagen, etwa Aktieninvestitionen oder andere Beteiligungen an Unternehmen, würden der Realwirtschaft langfristig mehr nützen.

Auch Abschaffung hilft

Die beiden US-Forscher waren aber sehr zurückhaltend, was andere Abgaben auf Vermögen betrifft. Feldstein etwa schlug für die USA die Abschaffung von Steuern auf Kapitalzuwächse vor. Diese würde die Entscheidung von Anlegern, wann sie etwa Wertpapiere verkaufen, verzerren und auch dann anfallen, wenn Vermögenspreise nur durch Inflation Zuwächse verzeichnet haben.

Poterba kritisierte wiederum, dass in vielen Steuersystemen die Aufnahme von Schulden der von Eigenkapital gegenüber bevorzugt werde. Die Zinsausgaben sind steuerlich absetzbar, und damit seien Schulden attraktiver. (sulu, DER STANDARD, 17.6.2014)

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    foto: apa, eurostat
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