Gaskonflikt: Europa in Geiselhaft

Kommentar16. Juni 2014, 18:00
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Die Lösung im Gaskonflikt Ukraine/Russland steht noch nicht

Blöd gelaufen, könnte man sagen. Europa hat bei der Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine zwar kräftig Gas gegeben und in der Person von Energiekommissar Günther Oettinger keine Mühen gescheut, eine Lösung am Verhandlungstisch zu finden. Allein – es hat nicht gereicht; vorerst zumindest nicht. Russland gibt für Abnehmer aus der Ukraine kein Gas mehr her. Sehenden Auges hat sich Europa in Geiselhaft begeben, und das gleich zweifach.

Sowohl Russland als auch die Ukraine benutzen Brüssel, um der jeweils anderen Seite Zugeständnisse abzutrotzen. Dass die Ukraine, die nicht nur wirtschaftlich am Boden liegt, einen möglichst günstigen Gasbezug auf Jahre hinaus garantiert haben möchte, ist nur zu verständlich. Im Wissen um die Unterstützung aus Brüssel pokert man in Kiew deshalb auch extrem hoch. Moskau wiederum weiß, dass viele EU-Länder nur mit russischem Gas warm durch den nächsten Winter kommen, und setzt darauf, dass Brüssel auf die Ukraine schon einwirken wird, damit genug Gas ungehindert westwärts strömen kann.

Die lachenden Dritten sind Geschäftemacher mit wenig Skrupeln, dafür viel Fantasie. Sie konnten lange Zeit ein großes Rad mit Gas aus Russland drehen, das sie anfangs mit hohen Abschlägen und zuletzt gar nicht mehr bezahlten. Nun aber ist der Hahn zu, und die Rechnung zahlt höchstwahrscheinlich wieder einmal die EU – sprich: wir. (Günther Strobl, DER STANDARD, 17.6.2014)

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