Josef Penninger: Kreativer Chaot mit Zug zum Tor 

16. Juni 2014, 17:54
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Der diesjährige Wittgenstein-Preisträger ist leidenschaftlicher Wissenschafter und Fußballer

Gut gekämmt sieht man Josef Penninger nie. Meistens gibt er sogar den total Zerrauften, das passt zu ihm und dem Bild, das man von ihm bekommt: Es zeigt einen leidenschaftlichen Wissenschafter mit Hang zum kreativen Chaos.

Der 1964 in Gurten in Oberösterreich geborene Genetiker ist aber mehr als das: Er gilt auch als hartnäckiger Netzwerker und guter Wissenschaftsmanager. Wann immer die Grundlagenforschung gefährdet schien, meldete er sich zu Wort. Wann immer seine Arbeit und jene seines Teams aus finanziellen Gründen auf der Kippe stand, forderte er öffentlichkeitswirksam mehr Mittel.

Penninger studierte an der Uni Innsbruck Medizin. Danach ging er ins Ausland. 2003 wurde er schließlich nach einem längeren Aufenthalt an der University of Toronto und als Principal Investigator des Biotechkonzerns Amgen nach Österreich geholt, um das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aufzubauen: Damals ging ihm in den Boulevardmedien der Ruf voraus, der nächste heimische Nobelpreisträger zu sein.

Heute hat er zwar noch keine höheren Weihen aus Stockholm erhalten, er führt aber mit dem IMBA ein international angesehenes Institut und kann auf zahlreiche Publikationen in Fachmagazinen wie Cell oder Science verweisen. Er publizierte unter anderem zu den Themen Brustkrebs- und Osteoporoseentwicklung und entdeckte den Regulator für die innere Uhr. Über mangelnde Anerkennung für diese Arbeiten kann sich Penninger nicht beschweren: 2008 und 2013 erhielt der Oberösterreicher je einen mit 2,5 Millionen Euro dotierten Advanced Grant des European Research Council (ERC), 2012 folgte der Innovator Award des US-Verteidigungsministeriums (5,5 Millionen Euro).

Nun kommt der Wittgenstein-Preis dazu, den Penninger für junge Wissenschafter verwenden will. Der IMBA-Direktor ist selbst Firmengründer und predigt den offenen Zugang auch zur Verwertbarkeit von Forschung. Dafür gibt es aus der Community nicht nur Anerkennung, sondern auch Kritik.

Fußball und die Familie spielen privat die größte Rolle. Sein Fußballweltmeister-Tipp ist Argentinien. Selbst spielt er einmal pro Woche unter anderem mit Wolfgang Schüssel. "Er will bis heute nicht verlieren", sagt er über den 69-jährigen Exbundeskanzler, der einer seiner Förderer war. Das Gleiche erzählt man sich auch über Penninger. (Peter Illetschko, DER STANDARD, 16.6.2014)

  • Josef Penninger, 1964 in Gurten in Oberösterreich geboren.
    foto: corn

    Josef Penninger, 1964 in Gurten in Oberösterreich geboren.

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