Karim Benzema, der neue Held der Grande Nation

16. Juni 2014, 17:24
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Der Schock über die verletzungsbedingte WM-Absage von Franck Ribéry ist erst ein paar Wochen her, da werfen sich die Fans von Les Bleus schon dem nächsten Superstar um den Hals. Karim Mostafa Benzema von Champions-League-Sieger Real Madrid machte das WM-Aus von Ribéry mit zwei Treffern gegen Honduras (3:0) vergessen. Dass der Stürmer nicht zumindest als zweieinhalbfacher Torschütze geführt wird, muss er sich mit dem Weltverband Fifa ausschnapsen: Denn sein Schuss an die linke Innenstange, der hernach an der Torlinie entlangflog, wurde von Honduras Keeper Noel Valladares minimal berührt. Das reichte, um als Eigentorschütze zu gelten.

Benzema forderte damit auch gleichsam die neue Torlinientechnologie "GoalControl" der Fifa heraus. Diese hatte zunächst - auch auf Bildschirmen im Stadion - "No Goal" angezeigt, weil es den Stangenschuss zeigte. Erst danach wurde die missglückte Rettungsaktion des Goalies als Tor gewertet. Zuschauer im Stadion und vor den TV-Geräten waren verwirrt. Benzema outete sich als Kritiker: "Ich weiß nicht, ob solch eine Technologie gut für den Fußball ist."

Vergessen ist Benzemas künstlerische Schaffenspause, als er ein Jahr lang in 15 Länderspielen kein einziges Mal traf. In den vergangenen sieben Partien war der 26-Jährige dafür achtmal erfolgreich. Mit ihm hofft die Grande Nation auf die Fortsetzung einer eigenartigen Serie: 1998 wurde Frankreich zu Hause Weltmeister, 2002 schied man in der Vorrunde aus. 2006 schafften es Les Bleus erneut ins Finale, ehe 2010 das Gruppenaus in Südafrika folgte. Benzema stand da nicht im Aufgebot.

Der Kicker mit algerischen Wurzeln, der bei Olympique Lyon groß und mit dem Verein vierfacher französischer Meister wurde, traf schon bei seinem Debüt im Nationalteam: Am 28. März 2007 besorgte er gegen Österreich das Siegestor zum 1:0. Im Juli 2009 wechselte er um rund 35 Millionen Euro zu Real Madrid, wo er lange im Schatten von Cristiano Ronaldo stand. Diese Zeiten sind vorbei, Benzema weiß um seinen Beitrag zum Champions-League-Triumph 2014. Im Nationalteam ist die Taktik von Trainer Didier Deschamps voll auf den Stürmer ausgerichtet. "Er kann in jeder Situation den Unterschied ausmachen", sagt Goalie Hugo Lloris. (David Krutzler, DER STANDARD, 17.6.2014)

  • Karim Benzema ist ein Striker vor dem Herrn. Jetzt zeigt er das auch.
    foto: apa/epa/zapata

    Karim Benzema ist ein Striker vor dem Herrn. Jetzt zeigt er das auch.

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