Panda und Co: Fußballfieber made in China 

17. Juni 2014, 05:30
4 Postings

Die Chinesen sind voll im Fußballfieber, obwohl sie selbst nicht bei der Weltmeisterschaft in Brasilien mitkicken

Krake Paul - das zur Fußballweltmeisterschaft 2010 weltberühmt gewordene und in seinen Voraussagen fast unfehlbare deutsche Tierorakel, bleibt unangefochten. Der selige Paul braucht für seinen Nimbus die einzig ernsthafte Konkurrenz unter den vielen Tierimitaten, die ihm von den populären Baby-Pandas gedroht hätte, nicht mehr zu fürchten.

Chinas nationales Panda Forschungs- und Schutzzentrum in Chengdu kündigte in letzter Minute die Mitarbeit seiner Pandas an der schon vorbereiteten Großshow der WM 2014 auf. Sprecher Heng Yi von der Aufzuchtstation begründete den Rückzug gegenüber der Global Times mit den "negativen Auswirkungen" des Massenspektakels auf die geschützten Symboltiere Chinas.

Pandas nicht für Entertainment missbrauchen

Fans hätten sich für die Schau schon in Hotels um die Aufzuchtstation einquartiert, Tierschützer klatschten Beifall. Panda-Experte Hu Quping sagte der Zeitung, dass die seltenen Pandas auf keinen Fall für geldgierigen Unterhaltungsrummel missbraucht werden dürften.

Die Organisatoren hatten für soziale Medien und Fernsehen ein kompliziertes Spiel- und Rateprogramm für die putzigen Bären vorbereitet. Sie sollten ihre Voraussage treffen, indem sie sich Nahrung aus drei Bambuskörben wählten oder auf Bäume kletterten, die mit den Nationalfahnen der gegeneinander antretenden Mannschaften dekoriert worden wären. Für die Endspielphase war sogar ein Baby-Panda-Wettlauf geplant, um die Prognose für den Weltcup-Sieger zu stellen.

U-Bahn-Stationen umbenannt

Peking ließ auch eine weitere Schnapsidee zur Feier der Brasilien-WM kippen: Die Stadtregierung verbot vor wenigen Tagen den Betreibern einer U-Bahn-Linie, 32 Stationen für die Zeit der Spiele nach Weltcup-Teams umzubennen und die übrigen drei in "Fair Play", "Sportsgeist" und "Fußballer des Jahres" zu taufen - zu verwirrend für die Fahrgäste, befand die Stadtregierung.

Besonderer Clou bei den abgefahrenen Aktionen, mit denen das asiatische Land seine Begeisterung für die WM unter Beweis stellt, aber ist, dass Chinas Fußballer in Brasilien gar nicht mitspielen. Nur einmal, 2002, hat die für ihren chronisch erfolglosen Fußball berüchtigte Nationalauswahl sich für eine kurzlebige Teilnahme an einem Weltcup qualifiziert.

Das tut den WM-Fans keinen Abbruch. Zudem gehört China, auch wenn es nicht mitspielt, zu den Gewinnern von Brasilien. Die Global Times zählte am Freitag auf: Der offizielle verwendete Fußball oder das Maskottchen Fuleco seien "made in China".

Viel Umsatz für China

Die Baumaschinen und Ausrüstungen für die Konstruktion von acht Austragungsstadien kämen vom Großkonzern Sany, die Sicherheitsmodule für neun Stadien vom Unternehmen Nutech. Ein Teil der U-Bahn-Züge soll CNR und Transportbusse die CSR geliefert haben: Firmen der Volksrepublik sind Fifa-Sponsoren oder machten mit der WM Werbung.

Chinas Wochenzeitschrift Shidai Zhoubao stellte gleich ein Dutzend Produkte in dreistelligen Millionenwerten vor, mit denen China an der WM teilnimmt, von Flughafen-Energiebussen bis zu LED-Anzeigen in den Arenen

Und noch ein Geschäft blüht: Da sich Millionen Fans keines der Spiele live entgehen lassen wollen, diese aber erst nach Mitternacht ausgestrahlt werden, blühe ein besonderer Schwarzmarkt auf, meldete China Daily. Online-Shops würden falsche, verbriefte Krankschreibungen anbieten. Die Preise reichen von zehn Yuan (1,20 Euro) für schlechte Fakes bis zu 300 Yuan (36 Euro) für angeblich originale Bescheinigungen mit Krankenhaus-Stempel. So können wahre Fans beruhigt ausschlafen. (Johnny Erling, DER STANDARD, 17.6.2014)

  • Das Runde muss in das Eckige. Mehr muss ein Panda nicht wissen.
    foto: ap photo/charles dharapak

    Das Runde muss in das Eckige. Mehr muss ein Panda nicht wissen.

Share if you care.