IWF nimmt US-Prognose stark zurück

16. Juni 2014, 16:45
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Der Internationale Währungsfonds rechnet nur noch mit zwei Prozent Wachstum

Berlin/Washington -  Die gute Nachricht zuerst:  Die US-Industrie hat ihre Produktion im Mai deutlich hochgefahren. Sie stieg um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie die Notenbank Federal Reserve am Montag in Washington mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es im April noch einen leichten Rückgang gegeben hatte.

Die US-Unternehmen lasteten ihre Maschinen und Fabriken stärker aus. Die Kapazitätsauslastung kletterte um 0,2 auf 79,1 Prozent im Vormonat. Das ist die höchste Quote seit März 2008. Dennoch liegt die Auslastung noch um einen Punkt unter ihrem langjährigen Schnitt.

Auch die Industrie im wichtigen US-Bundesstaat New York schaltete im Juni einen Gang höher: Der Empire-State-Index kletterte 0,27 auf 19,28 Punkte und erreichte damit den besten Wert seit vier Jahren. Ein Wert über der Null-Marke signalisiert ein Wachstum im Vergleich zum Vormonat.

IWF schraubt Prognose nach unten

Der Internationale Währungsfonds hat indes wegen des wetterbedingt schwachen ersten Quartals seine Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich gesenkt. Der Fonds rechnet nach seinem am Montag veröffentlichten US-Länderbericht nur noch mit zwei (bisher 2,8) Prozent Steigerung der Wirtschaftsleistung. Inzwischen scheine die Wirtschaft aber wieder in Fahrt zu kommen, so dass das Wachstum 2015 wie im April bereits geschätzt drei Prozent erreichen könnte. Das längerfristige Potenzial schätzt der IWF für die nächsten Jahre auf etwa zwei Prozent Wachstum. Das liegt etwas unter der bisher angesetzten Rate.

Um die vergleichsweise moderate Wachstumsentwicklung in den USA in Gang zu bringen, bedarf es nach Einschätzung des IWF politischer Stimulierung. Für die anhaltende Schwäche gebe es zahlreiche Gründe, darunter die Alterung der Bevölkerung und die geringe Produktivität. Problematisch sei auch relativ große Armut, eine hartnäckige Arbeitslosigkeit und Mängel im Steuerwesen. Auch die OECD hat jüngst in eine ähnliche Kerbe geschlagen.

Mittelfristige Konsolidierungsstrategie

Der IWF hält aber auch eine glaubwürdige mittelfristige Konsolidierungsstrategie nötig. Sollte es mit der Unterstützung der Finanzpolitik gelingen, dass Wachstum und Beschäftigung in den USA schnell wieder kräftig anspringt, könnte das einen früheren Rückzug aus der außergewöhnlichen expansiven Geldpolitik ermöglichen.

Insgesamt rechnen die IWF-Experten damit, dass es noch bis Ende 2017 dauern könnte, bis in den USA wieder Vollbeschäftigung herrscht. Da die Inflation niedrig bleiben werde, könnte der Leitzins noch bis in die zweite Jahreshälfte 2015 hinaus nahe Null gehalten werden, hieß es in dem Bericht. (Reuters/red, derStandard.at. 16.6.2016)

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