Feminismus, niederschwellig

18. Juni 2014, 05:30
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Menschen zu einem Barcamp bringen, die noch nie auf einer solchen Veranstaltung waren, ist das Ziel des queer-feministischen Organisationsteams in Wien

"Das FemCamp ist eine Mitmachkonferenz, jede Person kann sich einbringen", erklärt Mahriah Zimmermann vom Organisationsteam. Damit steht das Femcamp 2014, das am Freitag und Samstag im Wiener Lokal Aux Gazelles stattfinden wird, ganz in der Tradition der Barcamps, die seit knapp zehn Jahren rund um den Globus abgehalten werden. Die Idee einer offenen Tagung, deren Abläufe und Inhalte von den TeilnehmerInnen selbst gestaltet werden, wurde in Wien zu spezifisch feministischen Themen im Vorjahr erstmals umgesetzt.

Ging es 2013 um die Präsenz von Frauen in Social Media, netzpolitische Themen und den sogenannten Geekgirlism, möchten die VeranstalterInnen dieses Jahr den Zugang für alle möglichst niederschwellig halten. Im Fokus sind Menschen mit Migrationshintergrund jeden Geschlechts, Alters und jeder Hautfarbe. "Wir haben als Organisationsteam gemerkt, dass wir selbst sehr weiß sind", sagt Mahriah Zimmermann. "Das soll sich ändern. Wir wollen explizit Leute zum Barcamp bringen, die noch nie dabei waren."

Barrierefreier Zugang

Die Teilnahme am Femcamp ist kostenlos, schriftliche Anmeldung nicht erforderlich, aber hilfreich für das Organisationsteam. "Wir haben vier Tage vor Beginn schon mehr als 120 Anmeldungen", freut sich Zimmermann.

Das Aux Gazelles, eine Restaurant- und Clubblinglocation im sechsten Wiener Gemeindebezirk, ist ein etwas ungewöhnlicher Ort für ein Barcamp, das aus infrastrukturellen Erfordernissen oft in Bürogebäuden stattfindet. "Wir wollten einen barrierefreien Zugang ermöglichen und haben uns verschiedene Locations angesehen", sagt Zimmermann. "Natürlich haben wir ein beschränktes Budget. Das Aux Gazelles hat sich von sich aus gemeldet, und wir dürfen die Räume gratis nutzen und zahlen nur für die Verköstigung."

Spontane Themenabstimmung

Beim Femcamp können in vier Räumen parallel Sessions oder Vorträge abgehalten werden. Das ist das Besondere an einem Barcamp: Das Organisationsteam bestimmt nur den zeitlichen Rahmen, jede und jeder kann vor Ort Themen vorschlagen, über die spontan abgestimmt wird. Finden sich genug InteressentInnen, werden Räume zugeteilt, und es kann losgehen.

Damit sich auch wirklich jede und jeder eine Teilnahme zutraut, gibt es dieses Jahr am Tag davor, dem Donnerstag, einen Vorbereitungsworkshop. "Das ist quasi ein Metaworkshop, um die Einstiegshürden wirklich niedrig zu halten", erklärt Zimmermann. Dafür ist allerdings im Unterschied zum FemCamp selbst eine Voranmeldung nötig.

Kein Platz für Übergriffe

Wie sich alle beim Femcamp zu benehmen haben, legt neuerdings eine schriftliche "Policy" fest, die im Netz auch auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Slowenisch, Türkisch und Englisch nachzulesen ist. Tenor: "Für Störungen beziehungsweise Belästigungen oder übergriffiges Verhalten ist auf unserer Veranstaltung kein Platz. Wir wünschen uns ein achtsames Miteinander." Personen, die die Policy verletzten, könnten nach Rücksprache von der Veranstaltung ausgeschlossen werden.

Das war beim Femcamp 2013 zum Glück in keinem Fall notwendig. Die mehr als 100 TeilnehmerInnen, 20 davon männlichen Geschlechts, konnten in entspannter Atmosphäre diverse Positionen zu Diskriminierung und Sexismus austauschen. Störung gab es nur eine: der Femcamp-Netzauftritt wurde gehackt. Bleibt zu hoffen, dass sich 2014 auch die HackerInnen an die Policy halten.  (Tanja Paar, dieStandard.at, 18.6.2014)

  • Ging es 2013 um die Präsenz von Frauen in Social Media, netzpolitische Themen und den Geekgirlism, möchten die VeranstalterInnen dieses Jahr den Zugang für alle möglichst niederschwellig halten.
    foto: femcamp wien

    Ging es 2013 um die Präsenz von Frauen in Social Media, netzpolitische Themen und den Geekgirlism, möchten die VeranstalterInnen dieses Jahr den Zugang für alle möglichst niederschwellig halten.

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