Spanien: Luxushotel im Ex-Konzentrationslager

17. Juni 2014, 05:30
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Anstatt das kritische Posting eines deutschen Urlaubers über die verschwiegene Nutzung des Luxushotels Parador de León als Foltergefängnis im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) zu publizieren, erstattete booking.com die Kosten für zwei Übernachtungen

"Zutiefst erschüttert" waren der Deutsche Wilfried Stuckmann und seine Ehefrau, als sie das Fünf-Sterne-Hotel Parador de León im Konvent San Marcos zur Karwoche erreichten. Zwei Nächte verbrachten sie im Renaissance-Prachtbau des 16. Jahrhunderts. Was ihnen das Online-Reisebuchungsportal booking.com jedoch verschwiegen hatte: Im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) wurde dieser als Konzentrationslager der faschistischen Putschisten unter dem späteren Diktator Francisco Franco genutzt, wie eine kleine Plakette im Inneren erwähnt.

"Wir wollten nicht an einem Ort wie diesem nächtigen", sagt Stuckmann: "Es sollte kein Hotel sein, sondern ein Mahnmal." Da Franco mit Hilfe von Nazi-Deutschland den Krieg gewann, sei er Teil deutscher Geschichte, den man in Erinnerung bewahren müsse.

Stuckmann versuchte einen kritischen Kommentar auf booking.com zu posten, der nie publiziert wurde. Nach zig Anrufen beim Kundendienst bot man ihm an, die Übernachtungskosten von 396 Euro zu erstatten. Was er als zynisch erachtete. Jene Summe spendete er dem Verein zur Wiedererlangung der historischen Erinnerung (span. Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica, ARMH).

"Spanien verleugnet seine Vergangenheit"

Rund 7000 Männer und 300 Frauen waren stets in San Marcos – einem der unmenschlichsten Militärgefängnisse der Ära, laut Historikern – interniert. Von in Summe mehr als 20.000 republikanischen Milizionären und Polithäftlingen wurden alleine hier etwa 3000 ermordet. Darunter Juan Rodríguez Lozano, Großvater des sozialistischen Ex-Premiers José Luis Rodríguez Zapatero.

"Viele wurden zu Tode gefoltert. Aberhunderte karrte man von dort zu Exekutionen", sagt ARMH-Präsident Emilio Silva Barrera zum STANDARD. Er widmet sein Leben der Suche und Öffnung von Massengräbern: "Die Opfer von León sind aus Akten und Lehrbüchern verschwunden, denn Spanien verleugnet permanent seine Vergangenheit", kritisiert er, der auch die grausame Geschichte eines weiteren Paradors, dem von Lerma (Burgos), der auch als Folterlager diente, kennt.

Keine Hinweise zu Kriegen

Das Buchungsportal änderte den umstrittenen Eintrag nicht. Was "in der Leitlinie, 'keine Hinweise zu Kriegen'" fuße. Der Parador-Webauftritt erwähnt mittlerweile "(...) tragische Epochen, wie die Zweckentfremdung als Konzentrationslager während des spanischen Bürgerkriegs." Man habe dies im Jänner geändert, hieß es auf STANDARD-Anfrage bei der Pressestelle der Parador-Gruppe.

Bis Montagnachmittag war die Unterseite zum Parador von León über kein Sozialnetzwerk verbreitet worden. Was auf eine zeitnahe Korrektur schließen lässt. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 16.6.2014)

  • El Parador de León - vom Folterlager zum Fünfsternhotel.
    foto: josemanuel/wikimedia [cc;by-sa;2.5]

    El Parador de León - vom Folterlager zum Fünfsternhotel.

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