Überziehungszinsen trotzen Leitzinssenkung

16. Juni 2014, 14:38
185 Postings

Konsumentenschützer monieren schon seit Jahren hohe Zinsen für den Überziehungsrahmen und fehlende Transparenz

Wien - Als EZB-Chef Mario Draghi vor zwei Wochen den Leitzins auf ein historisches Tief senkte, da senkten auch die meisten Sparbuchsparer ihre Häupter: Die ohnehin schon seit Jahren mehr als mageren Zinsen für den Notgroschen könnten noch weiter abnehmen. Im Gegensatz dazu sind die Überziehungszinsen bei Girokonten schon seit Jahren recht fett. Man könnte nun meinen, Mario Draghis Zinsschnitt hat auch darauf einen Einfluss. Doch Überziehungszinsen sind ein eigenes Kapitel.

Überziehungszinsen sind meist nicht an einen Referenzzinssatz gebunden. Beim Sparbuch ist das ja so: Senkt Mario Draghi die Leitzinsen und damit den Euribor, geht es auch mit den Zinsen am Sparbuch automatisch nach unten. Allerdings ist das auch dann so, wenn die Zinsen angehoben werden – dann gibt’s ein bisschen mehr fürs Geld-auf-die-Seite-legen.

Deutsche Banken senkte Zinsen

In Deutschland ließen die Banken aufhorchen: Einige senken für Neukunden ihre Zinsen auf den Kontorahmen um 0,1 Prozent. Ein Rundruf von derStandard.at bei österreichischen Großbanken (Bank Austria, Bawag, Erste Bank und Raiffeisen) ergibt, in Österreich gibt es derzeit keine Pläne, die Überziehungszinsen zu senken. Dafür greife man aber auch die Habenzinsen nicht an. Sie liegen derzeit übrigens bei 0,00 bis 0,5 Prozent.

Benedikta Rupprecht von der Arbeiterkammer hat in den vergangenen Jahren etliche Verträge zu Girokonten geprüft. Generell scheint es eine Tendenz zu fixen Zinssätzen zu geben. Allerdings stehe nur in den wenigsten Verträgen und Preisblättern klar drin, ob der Zinssatz variabel oder fix ist. Das könnte man dann nach dem Ausschlussverfahren eruieren. "Transparent ist das nicht", sagt Rupprecht und fasst damit die Forderung von Konsumentenschützern nach mehr Transparenz einmal mehr zusammen.

Was sich mittlerweile schon gebessert habe: Die Banken müssen ihren Kunden mitteilen, zu welchen Konditionen diese ihre Girokonto-Verträge abschließen. Und "mitteilen" heiße nicht mehr, einfach einen Preisaushang in der Filiale anzubringen. Konsumenten müssen die Konto-Konditionen in schriftlicher Form erhalten.

Konsumentenschützer kritisieren

Konsumentenschützern sind die teilweise sehr hohen Überziehungszinsen schon lange ein Dorn im Auge. Besonders die große Spanne – knapp fünf bis mehr als 13 Prozent – wirft Fragen auf: Warum diese Unterschiede, so unterschiedlich können die Refinanzierungskosten gar nicht sein, sagt Bernd Lausecker, Experte für Finanzdienstleistungen beim Verein für Konsumenteninformation VKI. Seine Vermutung: Die Überziehungszinsen sind für Banken auch eine nette Einnahmequelle.

Die Überziehungszinsen hätten die Senkung des gesamten Zinsgefüges nicht mitgemacht und sind auf relativ hohem Niveau geblieben, so Lausecker. Die im Vergleich zu Kreditzinsen doch recht hohen Zinsen für die Kontoüberziehung argumentiert man seitens der Banken mit der kurzfristigen, recht unbürokratischen Bereitstellung des Geldes über das Girokonto. So brauchten Konsumenten beispielsweise keine Sicherheiten wie bei einem Kredit. Das alles habe laut Bankenauskunft eben seinen Preis.

Das lässt der Konsumentenschützer so nicht gelten und zerklaubt die Begriffe: Unbürokratisch heiße schließlich auch, wenig Personalaufwand, wenig genereller Aufwand. Dementsprechend müssten Überziehungszinsen eigentlich eher günstiger sein. Auch die Risikokosten will Lausecker als Argument für die hohen Zinsen nicht sehen. "Es scheint ja nicht so riskant zu sein, dass Banken nicht automatisch jedem Girokonto-Besitzer einen Überziehungsrahmen einräumen.“ Konsumenten wird generell geraten, ihre Verträge zu checken und gegebenenfalls in der Bankfiliale die Konditionen nachzuverhandeln. (Daniela Rom, derStandard.at, 16.6.2014)

  • Shoppen, bis die Bankomatkarte glüht und der Überziehungsrahmen ausgereizt ist. Das kann teuer werden, die Zinsen für die Einkaufsreserve sind im Vergleich zu Kreditzinsen durchaus gesalzen.
    foto: apa/matthias hiekel

    Shoppen, bis die Bankomatkarte glüht und der Überziehungsrahmen ausgereizt ist. Das kann teuer werden, die Zinsen für die Einkaufsreserve sind im Vergleich zu Kreditzinsen durchaus gesalzen.

Share if you care.