Vereinte Nationen ziehen Personal aus dem Irak ab

16. Juni 2014, 11:26
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Heftige Kämpfe nahe Bagdad - Briten planen keine Militärintervention

Bagdad/New York - Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt im Irak ziehen die Vereinten Nationen einen Teil ihres Personals aus der Hauptstadt Bagdad ab. 58 Mitarbeiter würden das Land verlassen, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York. Für weitere der insgesamt 200 Mitarbeiter gebe es ebenfalls Pläne, sie demnächst abzuziehen und vorübergehend an sicherere Orte zu bringen.

Gefechte

Jihadistische Milizen und die Armee liefern sich in der Nähe der Hauptstadt Bagdad weiter heftige Gefechte. Wie am Montag aus Sicherheitskreisen verlautete, wurden dabei in der Region von Bakuba 23 Kämpfer der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) getötet. Bakuba liegt rund 60 Kilometer nördlich von Bagdad.

Häftlinge im Nordirak befreit

Isis meldete auf Twitter, mehr als hundert irakische Soldaten in der Provinz Salaheddin nordwestlich von Bagdad getötet zu haben. Weitere 75 Menschen seien bei Selbstmordanschlägen in Bagdad getötet worden. Die Terrorgruppe habe zudem hunderte Häftlinge aus einem Gefängnis in nordirakischen Stadt Tell Afar befreit. Eine unabhängige Bestätigung für diese Angaben gab es nicht. Tell Afar liegt zwischen der von Isis kontrollierten Stadt Mossul und der syrischen Grenze.

In der Nacht zum Montag griffen Isis-Kämpfer nach eigenen Angaben zudem den internationalen Flughafen von Bagdad an. Der Nachrichtensender Al-Arabiya berichtete am Montag, dass nach Auseinandersetzungen die Gegend um den Flughafen wieder unter Kontrolle der Regierungstruppen sei.

Briten planen keine Intervention

Großbritanniens Außenminister William Hague schließt eine britische Beteiligung an möglichen Luftschlägen gegen die Isis-Terroristen im Irak aus. "Wir planen keine militärische Intervention des Vereinigten Königreichs in dieser Situation", sagte Hague am Montag der BBC.

"Die USA haben wahrscheinlich im Vergleich zu Großbritannien eher die Mittel und die Möglichkeiten für eine Intervention von außen. Aber ich betone, dass die politische und militärische Führung im Irak in diesem Fall von übergeordneter Bedeutung sind." Hague kündigte für den Nachmittag ein Statement im Parlament an.

Isis bietet kurdischer Armee Waffenstillstand an

Isis soll der kurdischen Armee am Sonntagabend einen Waffenstillstand angeboten haben. Die Jihadisten hätten einen Kurier zum kurdischen Stützpunkt bei Tus Churmatu im Ostirak geschickt, berichtete die kurdische Nachrichtenseite "Rudaw" am Montag. Demnach habe der Kurier angeboten: "Wenn ihr uns nicht angreift, greifen auch wir nicht an."

Die Organisation "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) hatte vor einer Woche begonnen, Städte im Irak zu erobern. Mossul fiel am Dienstag in die Hände der Islamisten. Bis zum Wochenende kämpften sie sich entlang des Flusses Tigris weiter in Richtung Bagdad vor. Die irakische Armee hatte kurdische Truppen der Autonomieregion Kurdistan im Nordirak um Unterstützung gebeten.

Die "Peshmerga" genannte kurdische Armee sicherte daraufhin die nordirakische Stadt Kirkuk und deren Umland sowie weite Teile der nördlichen Provinzen Nineve und Diyala. Die besonders ölreichen Provinzen waren bisher in irakischer Verwaltung. Das kurdische Verteidigungsministerium gab an, die Eroberungen nicht mehr herzugeben. (APA, 16.6.2014)

  • Freiwillige melden sich in Bagdad zur Armee.
    foto: reuters/thaier al-sudani

    Freiwillige melden sich in Bagdad zur Armee.

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