Biomasse geröstet, nicht geschüttelt, nicht gerührt

16. Juni 2014, 10:54
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Auf Holzfeuer hat man schon alles Mögliche geröstet. Nun wird mancherorts das Holz selbst geröstet. Wer die Technologie beherrscht, kann so Briketts herstellen. Diese emittieren deutlich weniger CO2 als herkömmliche Kohle, weil Biomasse der Ausgangsrohstoff ist

Das Verfahren ist nicht neu, die dahinterstehende Technologie aber wurde inzwischen deutlich verbessert. Die Rede ist von torrefizierter Biomasse aus Holz, Stroh, Maiskolben oder anderen nachwachsenden Feld- oder Forstprodukten (siehe "Wissen"). Diese könnte über kurz oder lang Kohle in thermischen Kraftwerken verdrängen.

Selbst eine teilweise Substitution der Kohle durch Biomasse wäre somit ein Gewinn für die Umwelt. Denn Kohlekraftwerke emittieren deutlich mehr klimaschädliches CO2 als beispielsweise Gaskraftwerke. Torrefizierte Biomasse kommt Kohle ziemlich nahe. Ihr Brennwert liegt zwischen jenem von Braunkohle und Steinkohle. Und Österreicher mischen da ganz vorn mit.

Der Grazer Anlagenbauer Andritz hat in Frohnleiten (Steiermark) eine Pilotanlage errichtet, in der pro Stunde eine Tonne torrefizierte Pellets und/oder Briketts hergestellt werden kann. Betrieben wird die Anlage von der Gemeinde Frohnleiten.

Testverbrennungen

Probemengen für Testverbrennungen wurden bis nach Norwegen, Dänemark und Frankreich verschickt. Auch im Kohlekraftwerk Mellach, das dem Verbund gehört und Fernwärme für Graz erzeugt, sei torrefizierte Biomasse getestet und für gut befunden worden, weiß Michael Wild.

Wild ist Konsortialpartner für die Entwicklung der Technologie und unterstützt Andritz beim Rollout. Dieser gestaltet sich etwas holprig, was nicht zuletzt mit den Kosten zusammenhängt. Weil nach wie vor viel billige Kohle aus den USA nach Europa kommt und die Preise für CO2-Zertifikate extrem niedrig sind, ist das Verfeuern von Kohle noch immer deutlich günstiger. "Biomasse wird immer teurer sein als Kohle, da steckt viel mehr Arbeit drinnen", sagte Wild dem Standard.

Liegen ungefähr beim doppelten Preis

Um wie viel teurer torrefizierte Biomasse gegenüber Kohle sei? Wild: "Im Kraftwerkseinsatz liegen wir pro Energieeinheit ungefähr beim doppelten Preis." Umso wichtiger seien neben dem politischen Bekenntnis zur CO2-Reduktion auch die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese müssten über einen längeren Zeitraum stabil bleiben, damit sich Investoren trauten.

"In Großbritannien wird an der Umstellung des Kraftwerks Drax gearbeitet. Da sind wir mit der torrefizierten Biomasse leider zu spät gekommen", sagte Wild. "Die rüsten auf weiße Pellets um."

Drax (North Yorkshire) besteht aus sechs Blöcken, ist das größte Kohlekraftwerk der Insel und deckt rund sieben Prozent des britischen Strombedarfs. Die Umstellung kostet rund 840 Millionen Euro; allein knapp 280 Mio. Euro hat die Errichtung zweier großer Pelletierwerke im Süden der USA sowie von Hafeneinrichtungen zur Verladung der Pellets in Louisiana gekostet.

Niedrigere Transportkosten

Einer der ganz großen Vorteile torrefizierter Biomasse gegenüber nichttorrefizierter seien die wesentlich niedrigeren Transportkosten. Wild: "Ein Kubikmeter torrefizierte Biomasse hat so viel Energie wie sieben Kubikmeter Hackgut". Dadurch ließen sich relativ große Distanzen recht preiswert überwinden.

Zurzeit sei man dabei, im Rahmen des vor zwei Jahren gegründeten Biomass Torrefication Councel eine Norm für das Produkt zu entwickeln. "Damit man weltweit vom Gleichen spricht, wenn man 'torrefizierte Biomasse' in den Mund nimmt", sagte Wild. Nur so könne das Produkt weltweit gehandelt werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 31.5.2014)

Wissen:

Torrefizierung heißt der Vorgang, bei dem aus Biomasse (meist Holz) kohleähnliche Briketts entstehen. In dem etwa 15 bis 120 Minuten dauernden Prozess wird Biomasse vorgetrocknet, aufgeheizt und teils pyrolytisch zersetzt. Dabei werden neben Wasser vor allem sauerstoffhaltige Verbindungen mit niedrigem Heizwert wie Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und organische Säuren freigesetzt. In der Regel wird dieses Verfahren bei Temperaturen zwischen 250 und 400 Grad Celsius angewandt. Durch die relativ niedrigen Temperaturen sind große Wärmetauscherflächen nötig, da der Wärmeübertrag nur durch direkten Kontakt stattfinden kann. (stro)

  • Die aus der  Kaffeeröstung bekannte Methode der Torrefikation liefert  einen Brennstoff mit hohem Brennwert, der sich gut als Ersatz für Kohle  eignet.
    foto: ho

    Die aus der Kaffeeröstung bekannte Methode der Torrefikation liefert einen Brennstoff mit hohem Brennwert, der sich gut als Ersatz für Kohle eignet.

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