Jugend zwischen Rausch und Reflexion

16. Juni 2014, 11:10
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Wasser predigen, Wein trinken - Warum Belehrungen von Lehrern und Eltern manchmal scheinheilig wirken

Wenn über Jugendliche und Alkohol diskutiert wird, kommen vor allem Eltern und Lehrer zu Wort. Warum deren Belehrungen manchmal scheinheilig wirken, erklären drei Schüler, die nicht nur ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben, sondern auch ihre Lehren daraus gezogen haben.

Wasser predigen, Wein trinken

In einer Weinregion wird mit Alkohol ziemlich locker umgegangen: Zumindest kommt es einem so vor, wenn man als Jugendlicher in der Wachau aufwächst. Schon bei unter 14-Jährigen wird auf Homepartys der Weinvorrat der Eltern dezimiert. In aller Regel wissen diese davon, manchmal muss man es eben heimlich tun. Ein Hindernis stellen sie in keinem Fall dar.

Am Montagmorgen bietet sich freilich ein anderes Bild: Da wird man in der Schule über das Jugendschutzgesetz aufgeklärt, hört sich Vorträge über den richtigen Umgang mit Alkohol an. Man bekommt schließlich den Rat, erst gar nicht damit anzufangen. Wirklich authentisch ist das nicht.

Vor allem, wenn man sich an das letzte Schulfest erinnert, und wie sich der eigene Lehrer dort verhalten hat. Oder am nächsten Wochenende Facebook-Fotos von betrunkenem Schulpersonal in einer Disko auftauchen. Der erhobene Zeigefinger, der das Komasaufen unter Jugendlichen anprangert, wirkt dann nur mehr wie blanke Heuchelei. Jakob (18), Krems


Schulausflug mit Schwips

Schon um 13 Uhr sitzen wir ziemlich betrunken in einer Fast-Food-Filiale, nachdem wir gerade von einer Schulexkursion gekommen sind. Ja, einer Schulveranstaltung!

Unter Obhut unserer Chemie-Lehrerin lassen wir uns durch die Ottakringer Brauerei führen, wobei auch der Bildungsauftrag nicht zu kurz kommt: So lernen wir einiges über die Geschichte der Brauerei und bekommen Einblicke die vollautomatisierte Abfertigungsanlage. Ständiger Begleiter ist ein stechender Malzgeruch in der Nase.

Doch dann das Highlight: Eine knappe Stunde haben wir Zeit, sämtliche Biere genüsslich zu verkosten. Klar artet das ein wenig aus. Zwar wird uns das flüssige Gold nur in 0,2 Liter Gläsern ausgeschenkt, dennoch schaffen manche von uns immerhin bis zu fünf davon. Eine Grenze setzt uns die Wirtin nicht, vielmehr legt sie uns jede Sorte ans Herz.

Als wir uns dann am Heimweg einen Burger reinschieben wollen, fühlt es sich an, als kämen wir um drei Uhr von einer nächtlichen Tour. Philipp (17), Wien


Ein Prosit von Oslo bis nach Carson City

Während diverser Schüleraustausche habe ich schnell gemerkt: Auch wenn sich Jugendschutzgesetze stark unterscheiden, gehört der Rausch für die meisten Schüler länderübergreifend zum Alltag.

In Norwegen gibt es in Supermärkten nur Bier zu kaufen, stärkere Getränke erhält man nur in speziellen Geschäften ab 21 Jahren. Alkohol ist jedoch sehr teuer, weshalb viele ihn auf Homepartys verzehren statt beim Fortgehen. Manche fahren auch gleich nach Schweden, um sich einzudecken.

In Spanien zahlt man in Bars oft nur einen Euro pro "Cerveza". Da dies für viele dennoch zu teuer ist, glühen Jugendliche oft in Parks vor. Besonders beliebt sind Wodka-Mischgetränke in Plastikflaschen. Auch Gras riecht man an jeder Ecke, selbst am Schulklo.

In Amerika kiffen ebenfalls viele Jugendliche, vielleicht weil dort das Trinken bis zum 21. Geburtstag streng verboten ist. Drogenkontrollen sind jedoch Alltag, an manchen Highschools schnüffeln Drogenhunde durch die Klassen, um die grünen Säckchen zu aufzuspüren. Anna (17), Wien (DER STANDARD, 16.6.2014)

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