Städte werden teurer, das Land stagniert

16. Juni 2014, 10:52
posten

Graz erfuhr 2013 die höchsten Preissteigerungen unter den Landeshauptstädten, in Klagenfurt waren die Verteuerungen trotz niedriger Niveaus vergleichsweise moderat

Gebrauchte Eigentumswohnungen verteuerten sich 2013 in der Steiermark um sechs Prozent, in der Landeshauptstadt Graz laut jüngstem WKÖ-Immobilienpreisspiegel sogar um 12,06 Prozent (von 1718,45 auf 1925,70 Euro je Quadratmeter) und damit fast genau so stark wie in Wien. Generell gab es in Graz im Vorjahr von allen Landeshauptstädten die größten Preissteigerungen, nur Innsbruck konnte einigermaßen "mithalten" .

Für Gerald Gollenz, WKÖ-Fachgruppenobmann der Immobilientreuhänder in der Steiermark, hat sich nun die Lage am steirischen Immobilienmarkt aber "etwas stabilisiert; die Nachfrage hat sich normalisiert", sagte Gollenz bei der Präsentation des Preisspiegels vor wenigen Wochen in Wien.

Viel Exklusives in Graz

Die starken Preisausschläge insbesondere bei Reihen- und Einfamilienhäusern führt Gollenz darauf zurück, dass in den vergangenen Jahren grundsätzlich sehr wenige Projekte fertiggestellt worden seien und der Anteil an "Exklusivem" deshalb vergleichsweise hoch ausfiel. Künftig erwartet Gollenz geringere Preisanstiege.

Sieht man sich die gesamte Steiermark an, zeigt sich ein gänzlich anderes Bild. So kostete im Vorjahr laut den jüngsten Auswertungen der Wohnimmobilien-Transaktionen, durchgeführt von ImmoUnited und Remax, eine steirische Eigentumswohnung im Schnitt "nur" 109.416 Euro pro Stück. Die billigsten Wohnungen gab es demnach in den Bezirken Murtal (48.396 Euro) und Bruck-Mürzzuschlag (55.331 Euro).

Kärnten ist Vorletzter

Und die vergleichsweise günstigen Preise "unter dem Österreichschnitt" (Gollenz) verlockten offenbar auch so manche Interessenten zum Kaufen: 2013 wechselten in der Steiermark 3618 Eigentumswohnungen den Besitzer, damit kam die grüne Mark mengenmäßig auf Platz zwei hinter Wien (8436), aber noch vor Niederösterreich (3537). Bemessen nach dem Gesamtwert der Transaktionen kam die Steiermark 2013 mit 1,66 Milliarden Euro im Ländervergleich freilich nur auf Rang fünf.

Kärnten wurde in dieser Statistik mit Transaktionen in Höhe von 833 Millionen Euro Vorletzter. Und das südlichste Bundesland wies außerdem das größte Minus auf, nämlich 24,4 Prozent. In Kärnten wurden laut den Kaufvertragsdaten genau 1541 Wohneinheiten gehandelt. Der ermittelte Durchschnittspreis einer Kärntner Eigentumswohnung lag 2013 bei 139.445 Euro, was gegenüber 2012 nahezu unverändert war.

"Landflucht" in Kärnten

Wie teilweise auch in der Steiermark sieht der Kärntner Fachverbandsobmann Michael Fohn, Makler und Hausverwalter in Villach, eine "Landflucht" im Gang - von der die größeren Städte des Bundeslandes, allen voran Klagenfurt sowie seine Heimatstadt Villach, aber auch Bezirkshauptstädte wie St. Veit, Wolfsberg, Spittal oder Hermagor profitieren würden. Dort steigen die Preise, in Kleingemeinden seien hingegen Grundstücke schon um 25 Euro je Quadratmeter erhältlich. "Und diese Kluft zwischen Stadt und Land wird größer."

Richtwert? "Kein Thema"

Immerhin sei in den Städten durchaus noch Wohnraum vorhanden, und es werde auch viel gebaut, sagt Fohn. Die Preise für neues Eigentum seien aber natürlich sehr unterschiedlich, "das beginnt bei 2500 Euro und geht bis 4000 Euro oder mehr hinauf".

Was Mietwohnungen betrifft, so wird anhand der jüngsten Preisstatistiken der WKÖ eindrucksvoll bewiesen, dass die ständige Diskussion über den Richtwert de facto nur ein Wiener Thema ist. Denn weder in der Steiermark noch in Kärnten erreichen die (frei vereinbarten) Mieten auch nur annähernd den jeweils gültigen Richtwert.

Dieser liegt für die Steiermark seit 1. April 2014 bei 7,44 Euro pro Quadratmeter und Monat, jener für Kärnten bei 6,31 Euro. Im Schnitt werden Mietwohnungen mit frei zu vereinbarendem Mietzins (für die der Richtwert also gar nicht gilt) aber für 5,89 Euro (Steiermark) bzw. 5,75 Euro (Kärnten) vermietet.

In den jeweiligen Landeshauptstädten liegen die Mieten naturgemäß höher (siehe Grafik), aber eines ist für den Kärntner Fachverbandsobmann Fohn jedenfalls klar: Im täglichen Vermietungsgeschäft spiele der Richtwert keine Rolle. "Damit haben wir wirklich praktisch überhaupt nichts zu tun." Von diversen Sitzungen in Wien wisse er zwar, "dass die Kollegen in der Bundeshauptstadt stundenlang über den Richtwert reden können. Aber in den Bundesländern ist das alles kein Thema. Da verdrehen wir nur die Augen und denken uns: 'Wovon redet ihr bitte?'" Denn wenn der Markt unter dem Richtwert liege, "dann brauche ich mit dem Richtwert gar nicht erst zu kommen".

Freilich hat das für ihn auch etwas mit der hohen Eigentumsquote zu tun. "Wenn ich mit Wiener Hausverwaltern rede, dann haben die 90 Prozent Mietzinshäuser und zehn Prozent Eigentumsanlagen. Bei mir ist das Verhältnis aber genau umgekehrt." (Martin Putschögl, DER STANDARD, 14.6.2014)

  • Immobilienpreise in der Steiermark und in Kärnten im Detail.

    Immobilienpreise in der Steiermark und in Kärnten im Detail.

Share if you care.