Vermisste Schüler: Netanjahu bittet Abbas um Hilfe

16. Juni 2014, 15:08
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Offenbar wurde ein 20-jähriger Palästinenser bei Durchsuchungsaktion erschossen

Ramallah - Vier Tage nach dem spurlosen Verschwinden von drei israelischen Teenagern sucht die Armee weiter fieberhaft nach ihnen. Man glaubt, dass die Religionsschüler im Bereich Hebron festgehalten werden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas zur Hilfe bei der Suche nach drei entführten jüdischen Teenagern aufgefordert. Netanjahu telefonierte nach Angaben seines Büros am Montag mit Abbas. Nach Medienberichten war es das erste Telefongespräch der beiden Politiker seit Monaten. Die israelische Armee setzte unterdessen die Festnahmen von Mitgliedern der radikalislamischen Organisation Hamas fort.

40 Festnahmen

Rund 40 Hamas-Mitglieder seien in der Nacht festgenommen worden, teilte das Militär am Montag mit. Darunter war Medienberichten zufolge auch Parlamentspräsident Aziz Dweik. Bei Auseinandersetzungen mit palästinensischen Demonstranten in Ramallah töteten israelische Soldaten nach Angaben von Medizinern und Augenzeugen in der Nacht zum Montag einen 20-jährigen Palästinenser.

Das Büro von Abbas verurteilte die Entführung sowie die israelische Reaktion. Die palästinensischen Sicherheitskräfte bemühten sich nach Kräften, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und jeglichen Versuch zu unterbinden, "die Situation auszunutzen, um Chaos zu schaffen".

Notruf nach Entführung

Drei Schüler einer jüdischen Religionsschule in der Siedlung Kfar Ezion bei Bethlehem werden seit Donnerstagabend vermisst. Israel macht die Hamas für ihre Entführung verantwortlich. Bisher hat sich keine palästinensische Organisation zu der Tat bekannt.

Unterdessen wurde mitgeteilt, dass einer der Jugendlichen kurz nach der Entführung einen Notruf bei der Polizei getätigt hatte. "Man hat mich entführt", habe er geflüstert. Der Polizist habe jedoch an einen Scherz geglaubt. So sei bis zur Alarmierung der Armee wertvolle Zeit verstrichen.

Suche läuft auf Hochtouren

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen hat Israels Armee mehr als 150 Palästinenser festgenommen. Die Suche im Westjordanland, vor allem im Bereich der Stadt Hebron, läuft auf Hochtouren.

In der Nacht zum Montag bombardierte die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Gazastreifen. Es seien Waffenlager sowie "Terrorstätten" im Norden und Süden des Küstenstreifens angegriffen worden, teilte das Militär mit.

Netanjahu sagte Abbas in dem Telefonat, er erwarte von ihm "Unterstützung bei den Bemühungen um eine Rückführung der entführten Jugendlichen und eine Festnahme der Kidnapper". Die Entführer seien aus Gebieten gekommen, die von der Palästinenserbehörde kontrolliert werden, und auch dorthin zurückgekehrt. Netanjahu sprach von negativen Konsequenzen des Bündnisses der gemäßigten Fatah von Abbas mit der Hamas. Deren zu Monatsbeginn gebildete Einheitsregierung sei "schlecht für Israel, schlecht für die Palästinenser und schlecht für die Region", sagte Netanjahu (APA, Reuters, 16.6.2014)

  • Israelische Soldaten bei der Suchaktion nach den drei entführten Schülern.
    foto: reuters/baz ratner

    Israelische Soldaten bei der Suchaktion nach den drei entführten Schülern.

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