Wikileaks-Quelle Manning wirft USA Lügen zum Irak vor

16. Juni 2014, 09:11
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Ex-Soldatin spricht von Beeinflussung öffentlicher Meinung

Die Wikileaks-Informantin Chelsea Manning hat der US-Regierung vorgeworfen, der Bevölkerung die Wahrheit über die Lage im Irak zu verschweigen. Es stelle sich die Frage, "wie die Armee der Vereinigten Staaten die Medienberichte über ihr Engagement dort und in Afghanistan kontrolliert", schrieb Manning in einem am Sonntag veröffentlichten Beitrag für die "New York Times".

Dokumente an Wikileaks übermittelt

Die damals noch mit dem Vornamen Bradley als Mann lebende Manning hatte während der Stationierung im Irak vor vier Jahren Hunderttausende Armeedokumente sowie Depeschen der US-Diplomatie von Militärrechnern heruntergeladen und der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks zugespielt. Nach eigenen Angaben wollte Manning eine öffentliche Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak anstoßen. Im Mai 2010 wurde der damalige Obergefreite auf einem Stützpunkt nahe Bagdad festgenommen, im vergangenen August wurde Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt.

In ihrem Beitrag für die "New York Times" schrieb Manning, "die derzeitigen Grenzen der Pressefreiheit und der schwere Schleier des Regierungsgeheimnisses" verhinderten, dass die US-Bürger "voll erfassen, was in den Kriegen passiert, die wir finanzieren". Damit werde den Wählern die Möglichkeit genommen, "das Verhalten ihrer Führer zu beurteilen".

Nur zwölf Journalisten auf einmal

Manning warf der US-Regierung und der Armee vor, die öffentliche Meinung über den Irak-Konflikt gezielt beeinflusst zu haben. "Wie konnten die obersten Entscheidungsträger behaupten, dass die öffentliche Meinung und der Kongress den Konflikt unterstützen, obwohl diese nur über die Hälfte der Informationen verfügen?" So seien beispielsweise während ihres Aufenthalts im Irak nie mehr als zwölf US-Journalisten gleichzeitig dort akkreditiert gewesen, obwohl das Land 31 Millionen Einwohner zähle und damals 117.000 US-Soldaten im Einsatz waren.

Kämpfer der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIL) eroberten in den vergangenen Tagen mehrere Städte und Regionen im Norden des Irak. Als Reaktion auf den Vormarsch schickten die USA einen Flugzeugträger in den persischen Golf. Präsident Barack Obama hatte am Freitag angekündigt, mehrere militärische Optionen prüfen zu wollen. Eine Rückkehr von US-Bodentruppen in den Irak schloss er aber aus. (APA, 16.06.2014)

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