Gasprom stellt Gaslieferungen in die Ukraine ein

16. Juni 2014, 11:01
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Moskau liefert nur noch gegen Vorkasse, EU-Kommissar Oettinger hält an seinen Vermittlungen fest, die OMV spürt derzeit keine Auswirkungen

Moskau - Russland stoppt die Gaslieferungen an die Ukraine. Die russische Gasprom teilte nach dem Verstreichen eines Ultimatums um 8.00 Uhr früh mit, dass ab sofort nur noch gegen Vorauszahlung an den ukrainischen Gasversorger Naftogas geliefert werde.

Lieferungen bereits gedrosselt

Laut Gasprom werden die Lieferungen seit dem Morgen bereits gedrosselt.  Die Lieferungen seien "auf null" reduziert worden, bestätigt mittlerweile auch der ukrainische Energieminister Juri Prodan. Zugleich betonte er, dass die Ukraine den Transit von russischem Gas für den europäischen Markt fortsetzen werde.

Auch Gasprom hatte zuvor betont, dass die mit den Europäern vertraglich vereinbarten Mengen weiterhin zu Transitzwecken in die Ukraine geleitet werden. Die EU-Staaten decken rund ein Drittel ihres Gasverbrauchs mit Lieferungen aus Russland, rund die Hälfte davon fließt durch Pipelines durch die Ukraine.

Der ukrainische Gasversorger Naftogaz versicherte, dass die Gasversorgung der Ukraine bis Dezember gesichert sei. Das Land verfüge über Speicherkapazitäten im Umfang von 14 Milliarden Kubikmetern, sagte Naftogaz-Chef Andrij Kobolew.

Auch in der OMV ist man gelassen. Die Speicher des Erdöl- und Gaskonzerns seien zu zwei Drittel gefüllt, die Versorgung auf Monate hinaus dadurch gesichert, so Unternehmenssprecher Johannes Vetter auf derStandard.at-Anfrage. Grundsätzlich sei derzeit kein Druckabfall aus Russland zu spüren, das könne sich aber stündlich ändern. Grund zur Besorgnis gibt es demnach nicht. Zum einen gebe es eine Lieferverpflichtung auf Seiten von Gasprom, zum anderen wären da noch andere Wege - beispielsweise über die North Stream.

EU-Kommissar will weiter vermitteln

EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht indes noch die Möglichkeit für einen Kompromiss. "Mit ein bisschen mehr Flexibilität von beiden Seiten ist das zu schaffen", sagte Oettinger bei einem Zwischenstopp Montagvormittag in Wien. Zuvor hatte er in Kiew in der Nacht von Sonntag auf Montag noch einen letzten Versuch unternommen, die beiden Streitparteien - dir russische Gasprom auf der einen Seite und die ukrainische Gasgesellschaft Naftogas auf der anderen - auf einen Kompromiss einzustimmen, was fürs erste misslungen ist.

Der Lieferstopp, von dem die EU-Abnehmer nicht betroffen sind, könnte laut Oettingers Einschätzung schwerwiegende Auswirkungen im Westen Europas haben. "Wenn die Speicher jetzt nicht gefüllt werden, bekommen wir alle in Europa möglicherweise ein Problem“, sagte Oettinger.

Österreich für Verknappung gerüstet

Österreich sieht sich indes für alle Unwägbarkeiten gerüstet. "Wir beobachten die Lage genau, aber Österreich wäre für eine eventuelle Verknappung bei Erdgas gut gerüstet, weil es deutlich mehr Speicher und auch mehr Bezugsquellen gibt als noch 2009. Aus der damaligen Gaskrise haben wir wichtige Lehren gezogen", sagt Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner.

So könnte russisches Gas jetzt - anders als früher - auch über die Nord-Stream-Pipeline und im Anschluss über die Opal-Leitung von Deutschland nach Österreich kommen. Zusätzlich wurde das reverse-flow-System an mehreren Stellen erfolgreich umgesetzt. Über Deutschland (Überackern und Oberkappel) bzw. über Italien (Arnoldstein) kann Österreich das Gassystem in beide Richtungen betreiben. (APA/stro, 16.6.2014)

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    grafik: apa
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