Das Skizzenbuch eines Himmelsstürmers

16. Juni 2014, 00:09
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Die Matinee "Karlheinz Hackl - Abschied und Erinnerung" im Akademietheater

Wien - Auf der Bühne des Wiener Akademietheaters stand sein Fotoporträt als Weinberl in Einen Jux will er sich machen. Kollegin Regina Fritsch ließ es sich nicht nehmen, dem Konterfei des Kollegen einen Kuss aufzudrücken. Die Wiener Burg gedachte ihres vor zwei Wochen verstorbenen Schauspielers Karlheinz Hackl.

Eine gefasste Stimmung herrschte Sonntagvormittag vor, als Freunde und Weggefährten ih-rem geliebten "Karli" huldigten. Achim Benning erzählte, wie er den jungen Himmelsstürmer vom Hamburger Thalia Theater zurück nach Wien holte, um ihn an die Burg zu engagieren. Deutlich die Warnung des viertvorletzten Burgtheaterdirektors. Mitunter müssten Erinnerungen vor der Zudringlichkeit von Unberufenen geschützt werden.

Am verbindlichsten schmeichelte der 65 Jahre alt gewordene Nervenschauspieler mit der heiseren Stimme sich selbst. Die Ausschnitte aus den zahlreichen Aufzeichnungen zeigten noch einmal Hackl als Kari Bühl, als Platonov, als Liliom und, und, und. Man ergötzte sich an dem Rezitator von H.-C.-Artmann-Gedichten, dem der heikle dialektale Wechsel von Wien-Margareten hinüber in den 14. Hieb nach Breitensee nicht die geringste Schwierigkeit bereitete.

Die Matinee Karlheinz Hackl - Abschied und Erinnerung glich daher am ehesten der flüchtigen Lektüre eines Skizzenbuchs. Über dessen vorzeitiges Zuklappen hat das Schicksal entschieden. Man kann die Vielseitigkeit von Hackls Werk nur bestaunen. Man wird trotzdem im Stillen beklagen, dass er sein Alterswerk sich und den Zuschauern schuldig bleiben musste.

Und so steuerten Kolleginnen ihre Grüße und Anmerkungen bei, beinahe jedes Grußwort schöner als das vorhergegangene. Birgit Minichmayr sang unter Zuhilfenahme einer Walze Mei Muatterl war a Weanerin. Erika Pluhar bezauberte mit einem Probenbericht zu Musils Schwärmern. Cornelius Obonya berichtete, wie Karlheinz Hackl ihm zu einem Engagement verhalf, indem er zu ihm sagte: "Ich brauch' an klanen Bladen!" Paulus Manker blieb es vorbehalten, den Toten einen "ordinären Menschen" zu nennen und Abwesende zu beleidigen. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 16.6.2014)

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