Freies Land für verkleinerte Mägen

15. Juni 2014, 18:55
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Wie sich ein ganzer Industriezweig dumm und dämlich verdient mit verzweifelten Abnehmversuchen 

Von Menschen, die sich allzu eifrig mit ihrem Körpergewicht befassen, sagt man gerne, sie seien dem Schlankheitswahn verfallen. Wie sehr die Frage nach dick oder dünn pathologische Züge annehmen kann, zeigte Journalist Jacques Peretti am Sonntagnachmittag auf ZDF neo in der BBC-Dokumentation Die Schlankmacher.

BMI runter, Fettleibige rauf

Er will beweisen, wie sich ein ganzer Industriezweig dumm und dämlich verdient - einfach, weil Menschen vergeblich und immer verzweifelter abzunehmen versuchen. Denn irgendwann in den 1990er-Jahren wurde die Messgröße des BMI gesenkt - was eine nicht unbeträchtliche Zahl gesunder Menschen mit einem Schlag krankhaft fettleibig machte.

Peretti konfrontiert die Herren und Damen, die mit Slim Fast, Weight Watchers, Fitnessstudios und Diätpillen ein Vermögen verdienen, freundlich mit seinen Fragen; lässt sich nicht aus der Ruhe, aber auch nicht von seinem kritischen Kurs abbringen. Das macht er nicht nur angenehm unverbissen. Es bringt auch echte Einsichten: Natürlich funktioniere das nicht so einfach mit dem Abnehmen, bekennen einige freimütig. Das sei ja das Tolle.

Lebensgefährliche Diätpillen

Man erfährt von Vertretern, die zur Fasanenjagd nach Europa eingeladen werden, auf dass sie potenziell lebensgefährlichen Diätpillen wohlwollender gesinnt seien. Ein Arzt berichtet, er nehme jeden (nämlich, um ihm dann den Magen kleiner zu operieren), denn: "Amerika ist ein freies Land."Und schließlich lernen wir noch einen Schweden kennen, der einen Schlauch in den Magen implantiert bekommen hat, um dreimal täglich einen Teil seines Mageninhaltes entleeren zu können. Tolle Sache, das. Vor allen Dingen aber eine feine, sehenswerte Doku. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 16.5.2014)

  • Jacques Peretti mit einem Teilnehmer der Süßungsmittel-Studie der Universität Yale.
    foto: zdf neo/bbc

    Jacques Peretti mit einem Teilnehmer der Süßungsmittel-Studie der Universität Yale.

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