Triprebel: Wie Kunden von Hotelpreistricks profitieren können

15. Juni 2014, 18:18
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 Start-up hat das das Potenzial die Hotelbranche erneut zu erschüttern

Online-Hotelbuchungsplattformen gibt es viele – doch Triprebel bietet auf dem überlaufenden Markt eine Neuigkeit: Nutzer können von den Tricks der Hoteliers profitieren, indem sie sich die Preisschwankungen zunutze machen.

Das Hamburger Start-up ist noch ganz am Anfang – doch die Idee zumindest hätte das Potenzial, nach dem Siegeszug der Preisvergleichsportale von HRS bis Expedia die Hotelbranche erneut zu erschüttern. Nach eigenen Angaben ist Triprebel bislang die erste Preissuchmaschine für Hotels, bei der der Kunde von den Preisschwankungen beim Angebot profitiert.

Stornierungsgebühren eingerechnet

Dazu greift Triprebel auf die Datenbank eines großen Hotelportals zu und teilt sich mit diesem die Provision, die die Hotels für die Vermittlung zahlen, etwa zur Hälfte. Dann überwacht ein Algorithmus den Preis für das Hotelangebot samt den gebuchten Leistungen wie Frühstück. Gibt es dasselbe Zimmer zu einem günstigeren Preis, wird die Buchung storniert und erneut abgeschlossen. Bei der Frage, ob sich das lohnt, werden auch eventuelle Stornierungsgebühren eingerechnet.

Die Idee kam den drei Gründern – wie sollte es anders sein – bei einer gemeinsamen Reise. Im brasilianischen Itacaré fassten sie Anfang 2012 den Entschluss, das Start-up zu gründen. Bis es richtig losging, dauerte es noch bis September 2013 – damals startete eine offene Beta-Phase. Ab kommenden Juli soll der offizielle Startschuss mit einem Marketingbudget von zu Beginn 15.000 Euro im Monat fallen. Zur Finanzierung konnten die Gründer unter anderem den ehemaligen CEO des Hamburger Schreibwaren-Herstellers Montblanc, Lutz Bethge, als Business Angel gewinnen.

Vor allem Frühbucher profitieren

Profitieren können von den Preisschwankungen vor allem Frühbucher. „Die Preise schwanken vor allem 30 Tage und 14 Tage vor dem Check-in. Neun Tage davor gibt es fast keine Veränderungen mehr", erklärt Mitgründer und CEO Carlos Borges. Das liege daran, dass die Hotels ihre Angebote so kurzfristig lieber über spezielle Last-Minute-Apps vertreiben, statt über den offenen Markt der Hotelsuchmaschinen. So werden die besonders niedrigen Preise einer breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Preisnachlasses laut einer Untersuchung von Triprebel bei Drei- und Vier-Sterne-Hotels im mittleren Preissegment.

Bisher wurden bei Triprebel laut Borges erst 200 Buchungen durchgeführt. Damit sich das Geschäftsmodell trägt, müssten es – je nach Marketingkosten – mindestens 400 bis 500 Buchungen in der Woche sein. Im Schnitt bleiben bei einem durchschnittlichen Buchungspreis von 105 Euro immerhin 34 Euro Provision pro Buchung bei Triprebel hängen – und vermutlich ebenso viel beim Affiliate-Partner im Hintergrund, eine große Hotelsuchmaschine, die nicht genannt werden will. Bald sollen auch noch die Daten anderer Hotelsuchmaschinen in das Angebot einfließen – mit einem weiteren großen Anbieter steht Triprebel laut Borges gerade kurz vor dem Vertragsabschluss.

Zwiespalt zwischen maximaler Auslastung und einem möglichst hohen durchschnittlichen Buchungspreis

Grund für die Schwankungen bei den Hotelpreisen ist die Tatsache, dass alle Hotels im ständigen Zwiespalt zwischen maximaler Auslastung und einem möglichst hohen durchschnittlichen Buchungspreis stehen. Läuft eine der beiden Variablen aus dem Ruder, muss mit der anderen gegengesteuert werden. Die Hotels versuchen, die Nachfrage so gut wie möglich vorauszuberechnen – doch perfekt gelingt das nie.

Deshalb werden die Preise im Zeitverlauf angepasst. Es ist dabei nicht immer so, dass Frühbucher automatisch den besseren Preis bekommen. „In unserer Untersuchung haben acht von zehn Hotels den Preis in den letzten 30 Tagen vor dem Check-in verändert", sagt Borges. Drei haben den Preis gesenkt und fünf erhöht. Die Chance, dass der Preis bei einem Buchungszeitraum von 30 Tagen im Voraus noch sinkt, liegt laut der Triprebel-Untersuchung bei 32 Prozent. Diejenigen, die sparen, bezahlen dann laut den Angaben rund 20 Prozent weniger. Wer ein nicht stornierbares Angebot buche, sei nicht nur weniger flexibel, sondern spare im Schnitt auch nur 11 Prozent, sagt Borges.

New York, London, Paris, Rom oder Dubai

Um die Chance einer Preissenkung zu erhöhen, sollen Triprebel-Nutzer in Zukunft ein Zimmer buchen und bis zu zehn Hotels auf einer Favoritenliste speichern können. Fällt dann der Preis eines der Favoriten-Hotels im Lauf der Zeit, kann der Nutzer umbuchen. Mit zwei Hotels steigt die Wahrscheinlichkeit einer Preissenkung laut Triprebel auf 54 Prozent, bei fünf seien es 86 Prozent. Besonders gut klappt das laut Triprebel für beliebte Reiseziele wie New York, London, Paris, Rom oder Dubai.

Eine Schattenseite hat die Idee: Sollte sie zu erfolgreich werden, könnten die Hotels als Reaktion einfach die Stornierungsgebühren so weit anheben, dass sich das Buchen über Triprebel nicht mehr lohnt. Für diesen Fall hat das Start-up vorgeplant: „Wir werden es dann so umsetzen, dass Hotels von dem System profitieren können", sagt Borges. Die Idee: „Hotels könnten dann auf die User zugehen und ihnen individuelle Angebote machen" – eine Art Versteigerungsplattform für Hotels also. Das sei aber noch eine „Zukunftsperspektive." (Von STEPHAN DÖRNER, WSJ.de/derStandard.at, 15.6. 2014)

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