Das große Abdanken

Einserkastl15. Juni 2014, 17:56
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Abdanken galt bisher als Versagen, jetzt scheint es zur Norm zu werden

Schaut ganz so aus, als ob sich ein Trend unter den Monarchen des Kontinents durchsetzt: Abdanken. Wenn Juan Carlos am Mittwoch die Krone an den Nagel hängt, tut er das als bereits dritter Herrscher binnen weniger Monate - den Potentaten im Vatikan gar nicht mitgerechnet.

Im Detail mögen die Gründe verschieden sein - Vaterschaftsklage und andere Skandale bei Albert II. von Belgien, elefantöse Jagdlust bei Juan Carlos oder schlicht Familientradition bei Beatrix der Niederlande. Den Eindruck, dass den Monarchen ein zusehends republikanischer Wind ins Gesicht bläst, können auch Royalisten nicht mehr verleugnen.

Abdanken galt bisher als Versagen, jetzt scheint es zur Norm zu werden. Früher einmal war Gottesgnadentum das Fundament der Herrscher - den Platz hat längst die via Boulevard befeuerte Popularität eingenommen. Für die Monarchien verheißt das eher nichts Gutes.

Schließlich liegt es im Wesen des Boulevards, seine Helden nach Gutdünken und Profitabilität hochzuschreiben und wieder fallenzulassen. Dass die Damen und Herren Majestäten sich erst nach ordentlichen Skandalen - und, wie im Fall Spanien, angesichts zehntausender Demonstranten - aufs Altenteil zurückziehen, um ihren Nachkommen ein mehr als diffiziles Erbe zu hinterlassen, ist nicht gerade ein Zeichen von Größe. Als Republikaner freilich darf man zufrieden sein, abwarten und es der Queen gleichtun: Tee trinken. (corti, DER STANDARD, 16.6.2014)

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