Nova Rock: Aus Bier wird Staub, Rauch und Schall

15. Juni 2014, 17:31
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Es ist ein Schlaraffenland, nur nicht für Maulwürfe: Von Freitag bis Sonntag fand in Nickelsdorf zum zehnten Mal das Musikfestival Nova Rock statt

Nickelsdorf - Die erste Enttäuschung trifft einen, bevor man das Nova-Rock-Gelände überhaupt betreten hat. "Das Graben von Löchern ist auf dem gesamten Gelände strengstens untersagt!", sagt ein Schild. Aus der Traum vom verästelten Höhlensystem unter den "Pannonia Fields". Aus der Traum von der Tiefe.

Aber es wird halt einmal etwas Blödes passiert sein. Immerhin findet das Nova Rock bereits zum zehnten Mal statt. Es ist eines der größten Musikfestivals Österreichs, und bei zehntausenden Besuchern können einfach nicht alle gleich clever sein. Das ist auch gut und schön so, denn dadurch haben sie einander etwas zu sagen.

Schlaraffenland vom Reißbrett

Für das Nova Rock wird eine Art Stadt irgendwo im Nickelsdorfer Nirgendwo errichtet. Es ist ein Schlaraffenland vom Reißbrett, wo einem alle Snacks der Welt für wenige Euro in den Mund fliegen und sprudeln. Mit dem Wirbel muss man halt umgehen können. Das dreitägige Festival ist nämlich eben auch eine große Maulwurfvertreibungsmaschine.

Wolken aus Staub, Rauch und Schall ziehen unablässig über das Gelände. Auf der sogenannten Blue Stage wird Metal gegeben, da knattert und poltert es. Sänger mit Tourette-Syndrom beschwören dichte Haufenwolken: Amon Amarth, Ghost oder Trivium heißen die Protagonisten. Die Musik etwa der amerikanischen Indie-Rocker Awolnation auf der Red Stage kommt einem dagegen transparent vor.

Betrieben mit Bier

Betrieben wird die Maschine Nova Rock mit Bier. Die goldgelbe Flüssigkeit lässt die Menschen herumhüpfen. Dabei strecken sie ihre Finger oft zu den Schallwolken in die Luft auf der Suche nach Beseelung. Bisweilen führt das Bier auch zur Bildung von Arbeitskreisen und Thinktanks auf dem staubigen Boden.

Deren Teilnehmer müssen dann aufpassen, dass sie nicht von balzenden Pikachus, Moosmenschen oder Jesussen über den Haufen gerannt werden. Das Nova Rock ist nämlich auch ein lustiges Kostümfest. Noch vor Ort kann man sich ausstatten. Eine erfolgreiche Balz garantieren Penis-Spritzpistolen und Bananenkostüme. Als Unverkleideter freut man sich halt, dass die Leute schlechten Geschmack so ausgelassen zu zelebrieren wissen.

Den Strom erzeugt sich das Nova Rock zum Teil selbst. Die Rotoren der nahegelegenen Windkraftwerke drehen sich nämlich sicher ein bisschen schneller, wenn etwa terzelnde Gitarrensoli von Iron Maiden hindurchwehen. Die britische Heavy-Metal-Band bespielte am Samstag den Sonnenuntergang.

Windmaschine

"Nova" war das natürlich nicht, das Publikum freute sich aber trotzdem darüber, wie die Herren ihre Gitarren bändigten und herumschleuderten. Einmal wurde sogar mit dem Fuß gespielt. Zwischendurch nickten die Musiker um Frontmann Bruce Dickinson väterlich ins Publikum, und auf den Videowalls tauchten verzückte Zuschauer auf. Es dürften nicht wenige darunter gewesen sein, die seinerzeit wegen Iron Maiden Gitarrespielen gelernt haben.

Zum Höhepunkt aber wurde ein Auftritt von David Hasselhoff. Der ließ zuerst recht lange auf sich warten und sorgte dann für einen Bruch. Mit befremdlichem, Homer-Simpson-artigen Timbre kämpfte sich der Hüne durch eine Halbplayback-Show seiner größten 80er-Hits. Auf den Videowalls sah man die Hintern von vier Tänzerinnen sowie Baywatch- und Knight-Rider-Zusammenschnitte. "The Hoff" sang oft falsch, gab aber im USA-Flaggen-Shirt gleichzeitig die personifizierte Selbstironie. Er rühmte sich, für Hooked on a Feeling das weltschlechteste Musikvideo gemacht zu haben. Beim Limbo Dance trug ein Dutzend Tänzer "Hoff" -Masken. Ob Hasselhoff die Gaudi, die man mit ihm hat, ganz im Griff behält, sei dahingestellt. Frischer Wind fürs Nova Rock war er auf jeden Fall. (Roman Gerold, DER STANDARD, 16.6.2014)

  • Bei einer "Special Late Night 80's Show" gab David Hasselhoff beim Nova Rock die Selbstironie in Person.

Foto: APA/Oczeret
    foto: apa/epa/herbert p. oczeret

    Bei einer "Special Late Night 80's Show" gab David Hasselhoff beim Nova Rock die Selbstironie in Person.

    Foto: APA/Oczeret

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