Torlinientechnik und Jobausschreibung

Kolumne14. Juni 2014, 18:47
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Die Torlinientechnik hat total eingeschlagen, die WM ist auf der sicheren Seite. Der deutschen Firma GoalControl ist ein Coup gelungen. Schon im Eröffnungsspiel haben die 14 Kameras im Stadion von Sao Paulo alle vier Tore bestätigt. Der Ball hat laut Video immer mit vollem Umfang die Linie überschritten. Mehr Beweis geht nicht. Die Fifa sorgt eben für Gerechtigkeit, Joseph S. Blatter gilt diesbezüglich als Fanatiker. Das Dumme im Fußball ist halt, dass ungefähr 9997 von 10.000 Toren auch für Halbblinde als solche ersichtlich sind. Der Ball zappelt nämlich im Netz, worauf sich dieses bauscht. Er bleibt selten knapp vor oder hinter der Linie picken, sonst wäre er ein Sandsack.

Spiele werden durch ganz andere Fehler zumindest mitentschieden. Übersehen einer Abseitsstellung, eines Fouls, eines Hands. Der Elferpfiff des japanischen Schiedsrichters Yuichi Nishimura war irrwitzig, speziell auf dieser Ebene sind derartige Irrtümer folgenschwer. Nicht nur der kroatische Trainer Niko Kovac war empört: "Das Fifa-Logo ist Respekt, Respekt für beide Teams. Wir haben keinen erfahren. Das ist ein Zirkus."

Natürlich ist dem Clown Nishimura keine Absicht zu unterstellen. Der Mann ist arm genug, wird von Shitstorms überhäuft. Dass er angeblich kaum ein Wort englisch verstanden hat, hätte man freilich vor der Besetzung seitens der Fifa überprüfen können. Die Installierung der Torlinientechnik kostet 300.000 Euro. Die Information an Herrn Nishimura, dass sich der Brasilianer Fred im Strafraum ganz einfach nur schamlos hat fallen lassen, konnte und durfte sie nicht liefern. Es stand nicht in der Jobausschreibung. (Christian Hackl, derStandard.at, 14.6.2014)

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