300 Bootsflüchtlinge vor Italien aufgegriffen

14. Juni 2014, 19:23
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Spanien investierte in neue Vorrichtungen, um Flüchtlinge am Eindringen zu hindern

Vor der italienischen Südküste sind knapp 300 Bootsflüchtlinge aufgegriffen worden. Sie seien auf einem 20 Meter langen Fischkutter auf dem Weg von Griechenland nach Italien gewesen und stammten nach eigenen Angaben aus Syrien, teilte die italienische Küstenwache am Samstag mit.

Zwei Patrouillenboote der Küstenwache und ein Schiff der Steuerpolizei hätten die 281 Menschen rund 150 Kilometer vor der Küste Kalabriens an Bord genommen. Unter ihnen seien 93 Kinder und sechs Frauen, einige bei sehr schlechter Gesundheit.

Die Menschen sollten noch am Samstagnachmittag in Reggio Calabria an Land gebracht werden. Seit Jänner haben bereits fast 54 000 Flüchtlinge Italien erreicht, im ganzen Jahr 2013 waren es 43 000.

Italien drängt die EU, Verantwortung für den Einsatz zur Migrantenrettung im Mittelmeer zu übernehmen. "Italien ist ein gastfreundliches Land, doch es kann nicht alle Migranten aufnehmen", so Innenminister Angelino Alfano.

"Disaster in Libyen"

"Das Flüchtlingsdrama ist nicht nur ein italienisches Problem. Wir werden weiterhin Menschenleben retten, Italien kann aber nicht mehr allein die Last für das Desaster übernehmen, das die westlichen Länder in Libyen verursacht haben", so der Innenminister. Hunderttausende Flüchtlinge seien in Libyen zur Abfahrt nach Europa bereit, warnte Alfano.

Der Senat in Rom hat am Donnerstag einen Antrag verabschiedet, mit dem die EU aufgefordert wird, die Verantwortung für die Mission zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer zu übernehmen. Die Regierung solle die notwendigen Schritte unternehmen, damit der Einsatz "Mare Nostrum" zu einer internationalen Mission aufrücke, an der sich die EU beteiligt. Ein Antrag der Lega Nord für einen kompletten Stopp der Rettungsaktion wurde vom Senat abgelehnt.

Unglück auch vor Libyen

Auch vor der libyschen Küste ereignete sich am Freitag ein Bootsunglück, bei dem zehn Flüchtlinge ums Leben kamen. Ihr Boot sei am Freitag rund 75 Kilometer vor der libyschen Küsten gesunken, teilte die italienische Marine am Samstag mit. 39 Menschen wurden gerettet.

Spanien: Mit Spezialnetzen gegen Flüchtlinge

Auch in Marokko hat es wieder einen Versuch gegeben, die praktisch unüberwindbare Grenze in die spanische Nordafrika-Exklave Melilla zu überklettern. Etwa 1.000 afrikanische Flüchtlinge haben laut spanischen Polizeikreisen versucht, die sechs Meter hohen Grenzzäune zu überwinden. Dass ihnen dies nicht gelang, sei auf neue Spezialnetze zurückzuführen, mit den die Zäune in jüngster Zeit überspannt wurden, hieß es.

Die Netze sollen das Überklettern der Grenzanlagen erschweren. Sie sind so engmaschig, dass sie es den Flüchtlingen unmöglich machen, sich mit den Händen an den Maschen der Metallzäune festzuhalten. Zudem hatten die spanischen Sicherheitskräfte ihre Einheiten in der Stadt an der afrikanischen Mittelmeerküste verstärkt.

Nahe Melilla hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder Fluchtversuche gegeben. Hunderte Afrikaner erreichten von Marokko aus spanisches Territorium. Nach Schätzung des Madrider Innenministeriums leben in Marokko etwa 40.000 Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara, die auf eine Gelegenheit warten, nach Spanien zu gelangen. (APA, 14.6.2014)

  • Immer wieder schafften es verzweifelte Migranten aus dem Subsahara-Afrika den fast unüberwindbaren Zaun an der Grenze zwischen Marokko und den Spanischen Exklaven zu überklettern. Spanien investierte in Reaktion darauf in noch teurere Anlagen - ein engmaschiger Zaun, an dem man sich nicht festhalten kann, soll die Flüchtlinge künftig abhalten.
    foto: ap/fernando garcia

    Immer wieder schafften es verzweifelte Migranten aus dem Subsahara-Afrika den fast unüberwindbaren Zaun an der Grenze zwischen Marokko und den Spanischen Exklaven zu überklettern. Spanien investierte in Reaktion darauf in noch teurere Anlagen - ein engmaschiger Zaun, an dem man sich nicht festhalten kann, soll die Flüchtlinge künftig abhalten.

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