Ultranationalist Seselj dürfte nach gut elf Jahren frei kommen

15. Juni 2014, 20:04
62 Postings

Senatsrichter Antonetti schlug vorläufige Freilassung vor

Den Haag/Belgrad - Der seit Februar 2003 im Gefängnis des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) sitzende serbische Ultranationalist Vojislav Seselj dürfte demnächst frei kommen. Senatsrichter Jean-Claude Antonetti schlug laut Belgrader Medienberichten seine vorläufige Freilassung vor.

Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass es derzeit weiterhin unklar ist, wann im Fall Seselj mit einem Urteil zu rechnen ist, nachdem im Vorjahr der Senatsrichter Frederik Harhoff durch den Richter Mandiaye Niang ausgetauscht wurde. Der neue Richter braucht mehr Zeit, um sich mit dem Fall Seselj vertraut zu machen.

Hintergrund für den Richteraustausch war ein persönlicher Brief Harhoffs an 56 Kollegen. Darin beschuldigte er den aus den USA stammenden Gerichtspräsidenten Theodor Meron, auf den Freispruch serbischer und kroatischer Offiziere hingearbeitet zu haben. Gemeint waren unter anderem der kroatische General Ante Gotovina wie auch der frühere jugoslawische Generalstabschef Momcilo Perisic.

Antonetti forderte laut einem Funktionär der Serbischen Radikalen Partei (SRS) das UNO-Tribunal wie auch Seselj auf, sich innerhalb von sieben Tagen zur möglichen vorläufigen Freilassung des Angeklagten zu äußern.

Der wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien und in der nordserbischen Provinz Vojvodina angeklagte Seselj hatte sich im Februar 2003 dem Haager Tribunal gestellt. Vor dem UNO-Tribunal hatte sich der Diplomjurist selbst verteidigt. Die Urteilsverkündung war ursprünglich für Oktober 2013 geplant. Nach dem Richterwechsel wurde sie verschoben.

Ende des Vorjahres musste sich Seselj wegen einer Krebserkrankung einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Informationen über seinen Gesundheitszustand werden auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin geheim gehalten. (APA, 14.6.2014)

Share if you care.