Furcht vor ISIS schweißt Regierungen in Bagdad und Teheran zusammen

14. Juni 2014, 18:14
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Annäherung zwischen USA und Teheran angesichts Irak-Krise möglich - Iranischer Journalist: "Im Gegensatz zu ISIS sind die Al-Kaida-Leute Pfadfinder"

Bagdad/Teheran - Den Einmarsch der radikal-islamischen Terrorgruppe ISIS in mehreren irakischen Städten wertet die iranische Regierung als logische Konsequenz aus der - aus ihrer Sicht grundfalschen - US-Politik. Präsident Hassan Rohani warnte in den vergangenen Monaten mehrmals, die Unterstützung etwa Saudi-Arabiens und Katars für dubiose Jihadisten im syrischen Bürgerkrieg befördere den Extremismus insgesamt.

Zudem warnte der Iran davor, dass jene die Region dauerhaft destabilisieren könnten. "Wir haben immer davor gewarnt", stellte nun Außenamtssprecherin Marsieh Afcham fest - nicht ohne Genugtuung.

Iran-USA

Angesichts der Bedrohung durch die vorrückenden Extremisten im Irak hat die iranische Führung ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Erzfeind USA bekundet. Über eine Kooperation in der Krise könne nachgedacht werden, sagte Präsident Hassan Ruhani am Samstag im Staatsfernsehen. Voraussetzung sei aber, dass die US-Regierung zuerst "Terrorgruppen im Irak und anderswo" bekämpfe. Aus Regierungskreisen in Washington verlautete, bislang gebe es keine Gespräche mit dem Iran.

Im Ringen um eine gemeinsame Front gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und Großsyrien" (ISIS) könnten sich die USA und der Iran nun sogar annähern, meinen Beobachter. Wegen der Unterstützung Teherans für das Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad war der Iran stets von allen Friedensverhandlungen ausgeschlossen.

"Ironie des Schicksals ist jedoch, dass beide jetzt in der Irak-Krise zu Verbündeten werden könnten", sagt ein Politologe in Teheran. Rohani zumindest würde das begrüßen, auch mit Blick auf eine Einigung im zähen Atomstreit mit den USA. "Wir haben immer gesagt, dass wir in der Region für alle Seiten eine effektive Rolle spielen könnten", sagte der Präsident in dieser Woche.

"Im Gegensatz zu ISIS sind die Al-Kaida-Leute Pfadfinder."

Die traditionellen Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten nennt Rohani eher zweitrangig angesichts der aktuellen Bedrohungslage. ISIS habe gezeigt, dass Terrorismus keine Schiiten und Sunniten kenne. Für Rohani wären beide Glaubensrichtungen gleichermaßen betroffen - schlimmer noch als bei den Taliban und Al-Kaida. Ein iranischer Journalist, der einige Wochen in Syrien stationiert war, greift zu drastischen Bildern: "Im Gegensatz zu ISIS sind die Al-Kaida-Leute Pfadfinder."

Dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki will Teheran nun in der Krise helfen. Nicht nur, weil er Schiite ist, hat ihm Rohani uneingeschränkte Solidarität versprochen. Der Iran sieht seine eigene Sicherheit eng verbunden mit der irakischen - was nicht nur eine diplomatische Floskel ist. Die beiden Länder haben eine 1.450 Kilometer lange gemeinsame Grenze, die unmöglich zu hundert Prozent kontrollierbar ist. "Besonders an der Grenze zu den Kurdengebieten in Nordirak kann man nachts mit einem Esel rein- und rausreiten", sagt ein iranisch-kurdischer Journalist. Daher wäre ISIS für den iranischen Gottesstaat zumindest eine potenzielle Gefahr.

Ob die Solidarität des Irans nur diplomatischer Natur oder doch mehr geplant ist, wird in Teheran nicht öffentlich diskutiert. Aber für heimliche militärische Spezialmissionen gibt es bei den Revolutionsgarden seit langem die "Ghods"-Brigade. Ihr Auftrag: Den wenigen Verbündeten des Landes bei Konflikten schnell auszuhelfen. Die Truppe um den Kommandanten Ghassim Suleymani soll Gerüchten zufolge in Syrien gewesen sein - und nun auch im Irak. (red/Reuters/APA, 14.6.2014)

  • Bewaffnete Schiiten in Bagdad.
    foto: ap photo/ karim kadim)

    Bewaffnete Schiiten in Bagdad.

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