Würste wiehern nicht

Kolumne13. Juni 2014, 21:57
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Miley Cyrus wirft alte Reitsportgewissheiten über den Haufen

Wir durchleben eine Epoche, in der die Wurst in der Luft liegt. Erst Conchita, das bärtige Burenhäutl aus Österreich, und jetzt auch noch die amerikanische Fadgas-Soubrette Miley Cyrus, die bei ihrem Konzert in Wien unvermutet auf einer Hotdog-Wurst auf der Bühne einhergeritten kam, was die dauergamsige Zeitung Österreich sogleich zu der Schlagzeile "Miley versext Wien!" veranlasste.

Da auf Würsten reitende Damen kein alltäglicher Anblick sind, stellt sich natürlich die Frage, was uns die Künstlerin mit ihrem Ausritt sagen wollte. Die Hobbypsychoanalytiker unter den Lesern mögen ihren Impuls bezähmen, die Miley-Wurst als mögliches Phallussymbol zu interpretieren, zumal Frau Cyrus ja rein gar nichts mit Sex zu tun hat und vielmehr zu jenem Typus Frau gehört, der das Kunststück zuwege bringt, selbst im splitterfasernackten Zustand nicht erotischer zu wirken als ein Topf Geranien. Eine Freude für jeden Puritaner!

Nein, das Ansinnen von Miley Cyrus dürfte es wohl gewesen sein, das bis jetzt im Reitsport für unverzichtbar gehaltene Pferd durch Würste zu ersetzen. Dieser auf den ersten Blick extravagante Plan entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als durchaus sinnvoll.

Während man sich beim Erwerb eines halbwegs tauglichen Reitpferdes schnell einmal im fünfstelligen Eurobereich bewegt, ist eine billige Brühwurst in jedem Supermarkt um ein paar Cent zu haben. Und dies ist nicht der einzige Vorteil, den die Wurst im Vergleich zum Pferd in die Waagschale werfen kann.

Würste wiehern nicht, Würste schlagen nicht aus, Würste müssen weder beschlagen noch gestriegelt werden. Keine langwierigen Dressurakte, eine Mortadella ist in Minutenschnelle zugeritten. Anders als bei den Wiener Fiakerpferden muss man bei Würsten auch keine Vorkehrungen treffen, dass sie nicht alle Straßen in der Innenstand volläpfeln, und von einer Thüringer Rostbratwurst herunterzufallen ist weit weniger schmerzhaft als ein Sturz von einem Haflinger.

So gesehen wäre Österreich gut bedient, die Anregung von Frau Cyrus aufzugreifen und sich als Vorreiter diverser neu zu schaffender Wurstsportarten zu positionieren. Nicht schlecht für den Anfang wären ein Käsekrainer-Polo in St. Pölten, das große Salami-Derby in Salzburg und ein Weißwurst-Voltigieren in Wulkaprodersdorf. (Christoph Winder, DER STANDARD, 14.6.2014)

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