Tel Aviv: Gay Pride Parade am Mittelmeer

Ansichtssache13. Juni 2014, 20:18
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Bei Israel denken viele an strengreligiöse Werte. Im Umgang mit Homosexualität ist das Land jedoch eines der fortschrittlichsten der Welt

Regenbogenfahnen wehen an jeder Ecke. Sogar die Randsteine sind in einigen Straßen in den Symbolfarben der schwul-lesbischen Gemeinschaft bemalt. Tel Aviv ist am Tag der Gay Pride Parade im Ausnahmezustand. Viele wichtige Verkehrsadern sind gesperrt. Dort wo sich sonst die Autos dicht drängen, tanzen Menschen, meist leicht bekleidet oder bunt angezogen. Aus den Lautsprechern wummern tiefe Bässe.

apa/epa/abir sultan
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Rund 140.000 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter zum Feiern in Israels Metropole gekommen. Eine Stadt, die auch sonst den Ruf als Party-Hochburg hat, auf deren Straßen sich oft bis in den frühen Morgen hinein junge Menschen tummeln. Und die als besonders liberal beim Thema Homosexualität gilt.

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Männer, die mit Männern Hand in Hand laufen, gehören zum Straßenbild, an den kilometerlangen Sandstränden kuscheln sich auch Frauen an Frauen. Und das in einem Land, das von außen oft als konservativ und tiefreligiös gesehen wird. Ein schiefes Bild.

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reuters/finbarr o'reilly
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Tatsächlich sei Israel in Bezug auf den Umgang mit Homosexualität eines der fortschrittlichsten Länder überhaupt, sagt Shai Deutsch, der Vorsitzende der Organisation Aguda, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Natürlich gebe es Vorbehalte unter orthodoxen Juden und konservativen Muslimen. Generell habe man aber Möglichkeiten, die man auch in den meisten anderen Ländern nicht habe, von den Nachbarstaaten im Nahen Osten ganz zu schweigen.

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Es gibt zwar keine Homo-Ehe, dafür sei es für Schwule und Lesben einfach, ein Kind zu adoptieren. Selbst in der Armee, die durch den zwei bis drei Jahre dauernden Wehrdienst der größte Arbeitgeber des Landes ist, sei das Thema kein Tabu. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, die das Thema mit der Doktrin "Don't ask, don't tell" unter den Teppich kehren, könne man sich im israelischen Militär problemlos als homosexuell outen.

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Schwierig sei die Lage vor allem in den Palästinensergebieten. Die Vorbehalte vieler Muslime machen ein offenes Ausleben von Homosexualität so gut wie unmöglich. Doch auch dort formiert sich immer mehr Widerstand gegen ihre Tabuisierung. Überall im Land und auch auf palästinensischem Boden gebe es mittlerweile Nichtregierungs-Organisationen, die für die gesellschaftliche Anerkennung von Schwulen und Lesben kämpfen.

Paraden wie die in Tel Aviv seien nur die Speerspitze der Bewegung, sagt Shai Deutsch. 17 Gay-Festivals gibt es in verschiedenen Städten Israels pro Jahr. Die Gay Pride Parade ist das größte davon. Deutsch meint, dass man zwar viel erreicht habe, das Ziel einer offenen Gesellschaft mit gleichen Rechten für Homo- wie Heterosexuelle aber noch fern sei. Er kämpft weiter und ist überzeugt: "Man kann uns nicht aufhalten." (APA/red, derStandard.at, 13.6.2014)

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