Energiemarkt in starker Veränderung

13. Juni 2014, 19:19
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Verkäufe im Ausland sollen Bilanzen retten

In den italienischen Energiemarkt ist Bewegung gekommen. Der bisher zweitgrößte Stromanbieter Eon steht in Italien zum Verkauf. Der halbstaatliche Stromgigant Enel will ausländische Tätigkeiten, insbesondere Assets in Osteuropa, veräußern, um den Schuldenberg von 41 Milliarden Euro zu verringern. Der viertgrößte Stromversorger des Landes, Sorgenia, an dem der österreichische Verbund 46 Prozent hält, soll von den Gläubigerbanken übernommen werden. Last, but not least ist es dem Erdölmulti Eni gelungen, zur Wochenmitte einen neuen Vertrag mit Kasachstan zu unterzeichnen, um dort seine Gasbohrungen fortzusetzen.

Italien gehört zu den größten Energieverbrauchern in Europa. Die hohe Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern habt bewirkt, dass einerseits die Energiepreise auf der Apenninenhalbinsel überdurchschnittlich hoch sind, dass aber andererseits die durch erneuerbare Energien mögliche Verbesserung im Bereich Umweltschutz anderen Ländern hinterherhinkt. Immer noch muss Italien 80 Prozent seines Bedarfs importieren. 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs macht Erdöl aus. Durch die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre ist auch der Stromverbrauch geschrumpft, so dass die Versorger am Inlandsmarkt mit Schwierigkeiten kämpfen.

Bei Übernahme überhoben

Enel hat sich mit der Übernahme der spanischen Endesa-Gruppe übernommen. Nun soll der Verkauf ausländischer Assets - angeblich die Beteiligung an Atomkraftwerken in der Slowakei sowie von Beteiligungen in Russland und Rumänien - dazu beitragen, die Schulden heuer um vier Mrd. Euro abzubauen. Die deutsche Eon ist dabei, ihre Engagements in Italien (eine Flüssiggasanlage, sechs Kraftwerke und erneuerbare Energieanlagen im Wert von rund drei Mrd. Euro) zu veräußern. Interesse daran zeigen der von der französischen EdF kontrollierte Edison-Konzern, Erg und Gasprom.

Der Verlust bei Sorgenia erhöhte sich 2013 um ein Drittel auf 783 Mio. Euro, die Schulden machten 1,8 Mrd. Euro aus. Der Verbund hat Sorgenia in der letzten Bilanz bereits komplett abgeschrieben. Nun sind Verhandlungen mit den Gläubigerbanken in die Endphase getreten, mit dem Ziel, dass diese das Pleiteunternehmen vorerst übernehmen.(Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 14.6.2014)

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