"Alles ist ein plastischer Gedanke"

13. Juni 2014, 19:18
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Arbeiten von Jürgen Messensee im Museum Angerlehner

Linz - Wie ein Wissenschafter, getrieben von der Sehnsucht, Zusammenhänge zu entdecken, fühle er sich, sagt Jürgen Messensee angesichts der Ausstellung im Museum Angerlehner. Wie ein Wissenschafter wolle auch er entdecken, was "dahintersteckt" und "wie das alles funktioniert", so der 78-jährige Künstler. Die Überwindung von Material und Medium ist demzufolge nur ein logischer Schritt, den Kuratorin (und Tochter) Caroline Messensee weiter- und ausführt.

Sie nimmt vier Skulpturen als Ausgangspunkte für vier Räume. Eine lässt sie so beleuchten, dass sie sich im eigenen Schatten vervielfältigt, eine setzt sie zentral auf die Brücke, die die Ausstellungsräume im Obergeschoß verbindet, mit zweien paraphrasiert sie Gemälde im Raum. Der Grundgedanke ihrer kuratorischen Konzeption sei die Überwindung der Dimensionen gewesen, so die Kunsthistorikerin, was angesichts des Werks des Vaters nicht allzu schwer fällt, sei doch "alles in seinem Werk ein plastischer Gedanke", so Caroline Messensee.

Monumentale Leinwände

Auch in der kleinsten Bleistiftzeichnung sei eine Skulptur enthalten, sagt sie und konfrontiert ebendiese etwa mit Arbeiten auf monumentalen Leinwänden. Die Auswahl der 60 zum größten Teil noch nie gezeigten Arbeiten war von einer Bedingung des Museumsleiters Heinz J. Angerlehner begleitet: Es solle eine völlig andere Ausstellung werden als jene vor einem Jahr im Kunstforum Wien, im besten Fall solle sich keine einzige Arbeit wiederholen.

Die Hängung

Messensee lässt notwendigen Raum zwischen den Arbeiten, hängt bewusst nicht zu eng, überlädt die Räume nicht, geht mit ihrer Hängung behutsam und doch selbstbewusst auf die außergewöhnliche Architektur des Museums ein. Das laufe übrigens ausgesprochen erfolgreich, so Angerlehner, der vor neun Monaten das Privatmuseum eröffnete.

Vor allem die Kunstvermittlungsangebote würden gut genutzt (mehr als 1000 Schüler und Schülerinnen). Immer öfter würde das Museum auch als "gehobene Event-Location" von Firmen gebucht, erzählt Angerlehner, womit er als Unternehmer überhaupt kein Problem habe.

Er komme auch gut ohne Museumsleiter zurecht (der ehemalige Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums Peter Assmann verließ das Museum im Jänner 2014 nach nicht einmal einem Jahr). Wie man an der Messensee-Ausstellung sehe, könne man gute Kuratoren auch zukaufen, so Angerlehner. Im Herbst wird erneut Florian Steininger (Bank Austria Kunstforum) für die große Halle aus der Sammlung kuratieren.(Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 14.6.2014)

"Messensee - Jenseits der Gegensätze", bis 19. 10., Museum Angerlehner

  • Getrieben vom Drang, Zusammenhänge zu erkennen und zu entdecken, wie alles funktioniert: Jürgen Messensees "Yoyo" (2010-2012).
    foto: mumok

    Getrieben vom Drang, Zusammenhänge zu erkennen und zu entdecken, wie alles funktioniert: Jürgen Messensees "Yoyo" (2010-2012).

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