Integrationsprobleme: Kurz warnt Erdogan

Kommentar13. Juni 2014, 18:58
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Warnung kein mutiger Akt

Sebastian Kurz hat ganz recht: Wenn der türkische Premier nach Österreich kommt, um zu seinen in Österreich lebenden Landsleuten zu sprechen, trägt er eine ganz besondere Verantwortung. Recep Tayyip Erdogan solle es, forderte Kurz sinngemäß, in Österreich gefälligst bleiben lassen, Ressentiments und Integrations-Unlust zu befeuern, wie er es in Deutschland getan hat.

Wahrscheinlich war Kurzens Warnung kein besonders mutiger Akt: Eine kürzlich getätigte, etwas abfällige Bemerkung von Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger über Erdogans bevorstehenden Besuch legt nahe, dass der Außenminister wohl akkordiert gesprochen hat. Dass er dabei auch auf seine Position als Integrationsminister gepocht hat, ist seine Begabung. Offenbar kam die Botschaft auch prompt an: Türkische Medien berichteten bereits etwas hämisch, ein "28-jähriger Minister warnt Erdogan".

Doch Kurz sollte sich sein Werben um Integration auch selbst zu Herzen nehmen. Etwa bei der Türkisch-Matura: Darin sieht der Minister nämlich nicht ein Thema von großer Bedeutung für die Integration. Das erstaunt dann doch. Jungen Menschen zu vermitteln, dass Österreich ihre Herkunft, ihre Sprache und ihre Geschichte als ein wertvolles Gut zu schätzen weiß - genau das ist ein Thema von großer Bedeutung. Wenn es gelänge, das zu vermitteln, stellten auch noch so polemische Reden türkischer Politiker kein Problem für die Integrationspolitik dar. (Petra Stuiber, DER STANDARD, 14.6.2014)

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