FIFA sperrt Beckenbauer für 90 Tage

13. Juni 2014, 18:45
206 Postings

Beckenbauer soll Infos zur fragwürdigen Vergabe der WM 2022 an Katar verweigert haben. "Kaiser" plädiert auf mangelnde Juristenenglisch-Kenntnisse

Zürich/Wien - "Ich habe erst einmal auf das Datum heute geschaut. Ich dachte, es wäre der 1. April und damit ein Aprilscherz", sagte Franz Beckenbauer bei seinem Haussender Sky. Die provisorische Funktionssperre durch den Fußballweltverband (Fifa) traf den 68-Jährigen vorgeblich völlig unvorbereitet. Beckenbauer, derzeit ohnehin nur Ehrenpräsident des FC Bayern München ("Wenn der Ehrenpräsident für 90 Tage ruht, wird er das überleben"), soll sich geweigert haben, Fifa-Chefermittler Michael J. Garcia Fragen zu beantworten, die im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe der WM 2022 an Katar stehen.

In der Bild-Zeitung hatte der Weltmeister von 1974 (Kapitän) und 1990 (Coach) diesen Vorwurf bereits vehement zurückgewiesen. "Das ist ein bisserl andersherum. Ich war bereit, alle relevanten Fragen zu beantworten, nur die kamen in Juristen-Englisch, die ich bei einer so komplizierten Materie nicht vollständig verstanden habe." Eine "höfliche" Anfrage um eine Unterredung in deutscher Sprache sei abgelehnt worden. "Daraufhin war meine Reaktion: Dann eben nicht."

Für Russland und die USA

Beckenbauer, der zurzeit nicht in Brasilien weilt, allerdings zum Halbfinale reisen will, war bis März 2011 Mitglied der Fifa-Exekutive. Bei den WM-Vergaben für 2018 an Russland und 2022 an Katar hatte er am 2. Dezember 2010 nach Angaben der Bild für die russische beziehungsweise die US-Bewerbung gestimmt. Persönlich hat der Münchner sein Stimmverhalten noch nie offengelegt. Die Sperre wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission, Alan Sullivan, auf Antrag des ehemaligen US-Staatsanwalts Garcia ausgesprochen. Sie gilt ab sofort.

"Ich habe von der Fifa noch nichts bekommen. Man wird mich aber wohl noch benachrichtigen. Mal sehen, was da drinsteht", sagte Beckenbauer.

Falscher Ansprechpartner

Sein Name war zuletzt erstmals von der Sunday Times ins Spiel gebracht worden. Nach Angaben der britischen Zeitung sei Beckenbauer von der Schlüsselfigur der untersuchten Korruptionsvorwürfe, Mohamed Bin Hammam, nach Katar eingeladen worden. Der Säulenheilige des deutschen Fußballs hatte sich gegen die Vorwürfe aber gewehrt. "Ehrlich gesagt, ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Ich habe oft genug erklärt, dass ich für das Thema Korruption der falsche Ansprechpartner bin."

Er habe bei der Abstimmung eine "normale Rolle" gespielt. "Menschen mit Gedächtnis können sich erinnern, dass ich kurz danach bereits erklärt habe, dass mich die Wahl von Katar überrascht hat." Zudem habe er sich als Erster "positioniert, dass dort eine WM im Sommer unmöglich ist und man nur im Winter spielen könnte", sagte Beckenbauer. "Das habe ich im Übrigen auch dem damaligen Emir von Katar persönlich gesagt - und zwar lange vor der Abstimmung." Darüber sei der Emir "nicht sehr erfreut" gewesen. Auch Bin Hammam sei anwesend gewesen.

Die Entscheidung, Beckenbauer zu sperren, basiere auf dem Fifa-Ethikreglement, da davon ausgegangen werden könne, dass es zu einem Vergehen gekommen sei und dass es nicht möglich sein werde, früh genug eine reguläre Entscheidung zu treffen.

Die Fifa wirft Beckenbauer fehlende Kooperation vor, obwohl er wiederholt angefragt worden sei, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern.

Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußballbundes, hat Beckenbauer vehement in Schutz genommen. "Ich weiß, dass Franz ein absoluter Ehrenmann ist. Jede wie auch immer geartete Unterstellung gegen ihn kann ich zurückweisen." (sid/lü, DER STANDARD, 14.06.2014)

  • Kriegsfuß?
    foto: apa/dpa

    Kriegsfuß?

Share if you care.