Wie man Ordnung ins Chaos bringt

13. Juni 2014, 18:18
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Medienexperten diskutieren Zukunftsstrategien

Barcelona/Wien - Gleich zwei hochkarätig besetzte Veranstaltungen - eine in Wien, die andere in Barcelona - beschäftigten sich am Freitag mit den technologischen und finanziellen Herausforderungen des Journalismus. "Order to Chaos, Chaos to Order" stand nicht nur auf dem T-Shirt des Medienökonomen Ken Doctor, es war auch programmatischer Stoff des ersten "Media Innovation Day", veranstaltet vom Wiener Journalismusverein Fjum.

"Stück für Stück" müssten Medien ihre Geschäftsfelder neu zusammensetzen und sie auf eine breitere Basis stellen, denn Finanzierung von Journalismus werde nicht einfacher, davon ist Doctor überzeugt.

Qualitätsberichterstattung als Distinktion

Aggregatoren und Klickmaschinen wie Buzzfeed oder heftig.co sieht er als Konkurrenten. Die Antwort könne nicht das Generieren von Klicks um jeden Preis sein, sondern den Lesern Qualitätsberichterstattung als Distinktion vor Augen zu führen. Rezipienten müssten zu Konsumenten werden, wie dies etwa Jeff Bezos mit Amazon vorexerziert, für 185 Millionen Euro hat er die Washington Post gekauft.

Aus Medien starke Marken machen gab Anita Zielina, "Stern"-Vize-Chefredakteurin, als Devise aus: "Unser Magazin ist ein Teil davon, aber nicht der einzige." Sie konzediert, dass sich Verlagshäuser neuen Geschäftsfeldern öffnen sollten - komplementär zum Kernprodukt Journalismus. Als Beispiel nennt sie Veranstaltungen.

Maximale Transparenz

In der Diskussion um Erlösquellen wie Native Advertising (Anzeigen, die wie redaktionelle Beiträge ausschauen) plädiert Stefan Plöchinger, Online-Chef der "Süddeutschen Zeitung" für maximale Transparenz. "Leser realisieren, von wem das Geld kommt." Einflussnahme auf Berichterstattung müsse verhindert werden, sonst gehe die Glaubwürdigkeit flöten.

Beim Global Editors Network in Barcelona wurden ähnliche Themen diskutiert. Bei diesem Treffen, zu dem mehrere hundert Chefredakteure und Medienmanager zusammenkamen, wurde der neueste Digital News Report des Reuters Institute präsentiert. Die wichtigsten Ergebnisse: In den untersuchten zehn Ländern nutzen 37 Prozent Smartphones, um an Nachrichten zu kommen. In Deutschland ist der Anteil binnen zwei Jahren von 21 auf 32 Prozent gestiegen. Tablets nutzen 20 Prozent, in Deutschland 17 Prozent.

Die Studie bestätigte auch eine zuvor bei einer Debatte getätigte Aussage von Wolfgang Blau, dem Digitalstrategen des "Guardian", dass Nutzer einer App treuere Leser seien: 37 Prozent der Smartphone-Besitzer nutzen nur eine Nachrichtenquelle. Cory Haik präsentierte eine neue App, die die Washington Post für Samsungs Smart Watch entwickelt hat - aktuelle Nachrichten zu jeder Zeit auf dem Handgelenk. (Alexandra Föderl-Schmid aus Barcelona, Oliver Mark, DER STANDARD, 14./15.6.2014)

  • Markenfrage: Anita Zielina, "Stern"-Onlinechefin.
    foto: corn

    Markenfrage: Anita Zielina, "Stern"-Onlinechefin.

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