Preis und ballettöser Wert 

13. Juni 2014, 17:03
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Sommerschlussverkauf: Doris Uhlichs "Come Back" im Brut im Künstlerhaus

Wien - Das Wiener Brut-Theater hat vor ein paar Jahren ein lustig klingendes Format für seinen Saisonausklang eingeführt. Unter dem Motto "Alles muss raus!" gibt es - auch diesen Juni nach den Festwochen - einige Highlights aus der vergangenen Spielzeit wiederzusehen. Zum Einheits-Spottpreis von 4,99 Euro.

Die Aussage dieser Sommerschlussverkaufsironie könnte so auf den Punkt gebracht werden: Darstellende Kunst ist sowieso keine Ware, also warum sie nicht mit einem aus der Welt der Händler entführten Verkaufsschmäh als Reprise im Sonderangebot anbieten? Die Idee erschien so clever, dass sie auch das Schauspielhaus Wien aufgegriffen hat. Beginn in beiden Häusern ist am kommenden Mittwoch - im Schauspielhaus mit einer Arbeit von Biljana Srbljanovic.

Eigentlich passt auch Doris Uhlichs "Come Back" in dieses Format. Das sympathische Stück mit fünf vom Ballett der Wiener Staatsoper verabschiedeten Tänzerinnen und Tänzern - Marialuise Jaska, Susanne Kirnbauer, Percy Kofranek, Renate Loucky und Violetta Springnagel-Storch - war seit seiner Uraufführung 2012 wiederholt im Brut-Theater zu sehen. Der Erfolg überzeugt: An diesem Wochenende kehrt "Come Back" zurück. Allerdings sozusagen wertgesteigert wieder zu normalen Eintrittspreisen. Auf dem Performance-Wühltisch am 18. 6. befinden sich die Konditorei-Performance "Endlich" von Barbara Ungepflegt,  "Western Society" von Gob Squad im Brut Künstlerhaus und "Poelstra stolpert, Maurer sägt" (Andrea Maurer & Frans Poelstra) im Brut Konzerthaus.

Wie bei Uhlich beispielhaft vorgeführt, kann, was heute wohlfeil angebotene Auftrittsware ist, schon in der nächsten Saison als werthaltiges Reprisenprodukt wiederkehren. Sofern die Nachfrage stimmt.

Aus dieser über den Rahmen der Einzelsaison-Schau hinaus erweiterten Perspektive wird also sichtbar, dass die durchaus kapitalismuskritische Programmierung des Brut durch marktaffine Strategien angereichert ist. Womit sich allerdings der Alles-muss-raus!-Witz nicht gerade zum Vorteil der Künstler aufhebt. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 14.6.2014)

  • Tänzerinnen und Tänzer von der Pension auf die Bühne zurückgeholt: "Come Back".
    foto: andrea salzmann

    Tänzerinnen und Tänzer von der Pension auf die Bühne zurückgeholt: "Come Back".

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